Kohlrüben, Wruken, Bodenkohlrabi, Steckrüben statt Kartoffeln

Die Versorgungslage der Bevölkerung und der Soldaten war im Winter 1917 sehr angespannt. Grund dafür waren nicht nur der anhaltende Krieg und die damit verbundenen fehlenden Importe vieler Lebensmittel und Früchte aus anderen Ländern, sondern auch die sehr schlechte Kartoffelernte des letzten Jahres in Deutschland. Der bestehende Lebensmittelbedarf konnte nicht annähernd gedeckt werden.

Es musste Ersatz geschaffen werden, um eine Hungersnot zu verhindern. Diesen fand die Regierung in den Kohlrüben, die gut in den einheimischen Böden gediehen waren. Die Rüben konnten im Gegensatz zu den Kartoffeln nur bis Mitte März sinnvoll gelagert und verwertet werden, danach waren sie für den Verzehr ungeeignet.

Das Kriegsernährungsamt wies deshalb Berlin und anderen Städten im Februar 1917 statt der benötigten Kartoffeln Kohlrüben in doppelter Menge zu und rief die Bevölkerung zur strikten Sparsamkeit mit den Kartoffeln auf. Sie waren, so argumentierte das Amt, ab dem März eines der wenigen verbleibenden Nahrungsmittel bis zur neuen Frühkartoffelernte.

„Kohlrüben, Wruken, Bodenkohlrabi, Steckrüben statt Kartoffeln“ hieß es allerorts. In den Zeitschriften wurden unterschiedliche Rezepte zur schmackhaften Zubereitung der Rübe, die regional verschiedene Bezeichnungen wie Wruke, Steckrübe oder auch Bodenkohlrabi hatte, abgedruckt.  (CB)

Steckrübengerichte für 4 Personen

Braune Steckrüben

3-4 Pfd. Steckrüben, 3 Eßlöffel Zucker, 8 gestrichene Eßlöffel Mehl, Salz

Geschnittene Steckrüben in Salzwasser halb gar kochen und abgießen. Zur Soße Zucker und Mehl ohne Fett in eiserner Pfanne bräunen, mit Steckrübenwasser auffüllen und die Steckrübenstücke darin gar schmoren lassen.

Steckrübenfrikadellen

1 1/2 Pfd. Steckrüben putzen und im ganzen gar kochen, dann zermusen. 1 Pfd. gekochte geriebene oder zerquetschte Kartoffeln, Salz, Pfeffer, reichlich gehackte Zwiebeln gut miteinander mischen, zu Frikadellen formen, in Mehl wenden und in wenig Fett von beiden Seiten gut bräunen.

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