… vor 100 Jahren: Ostern 1917

(Postkarte)

Die Osterzeit war turbulent und geprägt von innen- und außenpolitischen Unruhen. Das Weltgeschehen toste, es blieb kaum Zeit und Raum für Besinnlichkeit und Innehalten.

Am Karfreitag, den 6. April 1917, hatte die USA dem Deutschen Reich den Krieg erklärt und war damit offiziell in den Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente beigetreten.

Hunderttausende deutsche, britische und kanadische Soldaten starben währenddessen in der Schlacht bei Arras an der Westfront, die von März bis Anfang Mai dauerte und in Großbritannien als „Bloddy-April“ in die Geschichte eingegangen ist.

In Deutschland forderte die Reichsbank alle Bürger zur Zeichnung der Sechsten Kriegsanleihe auf, obwohl viele Menschen bereits kaum noch über finanzielle Mittel verfügten. Sie hatten während des vorangegangenen Winters an Lebensmittelknappheit und Krankheiten gelitten. Die versprochenen militärischen Siege waren ausgeblieben. Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit machten sich breit. Das Vertrauen in die Regierung war merklich gesunken. Es drohten politische Unruhen im Reich.

Am 6./.8. April 1917 wurde von den Mitgliedern der sozialdemokratischen Opposition die Unabhängige Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (USPD) in Gotha gegründet.

In seiner „Osterbotschaft“ versprach Kaiser Wilhelm II. deshalb die Aufhebung des preußischen Dreiklassenwahlrechts nach Kriegsende.

Mitten in diesem Geschehen feierte die Hoffnungsgemeinde ihr Osterfest. Die Kirchenglocken läuteten weithin hörbar und die Menschen strömten zu den Festgottesdiensten am Ostersonntag und Ostermontag. Pfarrer Simon taufte am Ostermontag 26 Kinder in der Hoffnungskirche. (CB)

…vor 100 Jahren: Rückkehr an seine erste Wirkungsstätte – Kunstmaler Franz Markau lässt sein erstes Kind taufen

 

Ansicht Kanzelaltar und Markau-Malereien aus Wasmuthsche Monatshefte_blog.png
Die von Franz Markau bemalte Wand hinter dem Kanzelaltar der Hoffnungskirche. Diese ursprüngliche Gestaltung wurde in den 1960er Jahren zerstört.

Am 8. April 1917 wurde in der Hoffnungskirche ein ganz besonderes Kind getauft: Annemarie Markau. Sie war das erste Kind des Kunstmalers Franz Markau, der mit der Ausmalung der Hoffnungskirche wenige Jahre zuvor seinen ersten Auftrag erhalten hatte. Zwischen 1912 und 1913 erschuf er das große Altarbild, das heute nicht mehr erhalten ist, und einige inzwischen wieder rekonstruierte Malereien an der Decke und den Wänden des Innenraumes. In der Ausgabe der Architekturzeitschrift „Wasmuths Monatshefte“ von 1914/1915 wurde in einem Artikel über die damals gerade fertiggestellte Hoffnungskirche der junge Maler besonders hervorgehoben: „In diesen Malereien hat Markau, sowohl was die Komposition als die Farbe betrifft, eine bemerkenswerte Probe seiner Begabung gegeben.“

Inmitten dieser Malereien, mit denen der Vater so viel Zeit verbracht hatte, sollte Markaus vier Monate alte Tochter getauft werden. Extra aus Charlottenburg kam die Familie damals dafür nach Pankow.

Ungetrübt war dieses Ereignis sicher nicht: Franz Markau war zu dieser Zeit Soldat im ersten Weltkrieg und die junge Familie musste um sein Leben bangen. Umso größer wurde die Taufe begangen: allein sechs Patinnen und Paten (teilweise aus dem Künstlermilieu) sagten zu, die kleine Annemarie auf ihrem Lebensweg zu begleiten und unterstützen.

Franz Markau überlebte den Krieg, an dem er vom ersten bis zum letzten Tag als Soldat beteiligt war, und gründete anschließend mit Unterstützung von Käthe Kollwitz eine Gruppe „ehemals feldgrauer Künstler“. (GL)