Rückblick auf das Jahr 1917 in den Kirchenbüchern: Drillingsgeburt, Selbstmorde und Tuberkulose-Opfer

Auch das Jahr 1917 brachte den Menschen in der Hoffnungskirchengemeinde Freud und Leid: Immerhin 226 Kinder wurden getauft – die Jungen waren dabei in der Minderheit: nur 102 Jungen, aber 124 Mädchen sind von ihren Eltern zum Taufstein getragen worden. Die meisten Kinder waren noch im Säuglingsalter. Zwei der Täuflinge mussten jedoch bereits kurz nach ihrer Taufe gestattet werden. Dafür konnten sich mehrere Eltern über Mehrlingsgeburten freuen: zweimal wurden von den Pfarrer der Hoffnungskirche Zwillinge getauft, einmal sogar Drillinge – zu dieser Zeit mit Sicherheit eine Seltenheit.

Die Kindersterblichkeit war in dieser Zeit relativ hoch: unter den 156 Gemeindegliedern, die 1917  bestattet wurden, waren mindestens 16 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Tuberkulose (oder auch: Schwindsucht) forderte gerade unter den jungen Menschen viele Opfer. Mindestens 19 Gemeindeglieder starben 1917 an dieser Krankheit, die meisten im jungen Alten, zwischen 3 und 40 Jahren. Das sind deutlich mehr als 10 % aller Todesfälle. Auch mindestens vier Fälle von Selbstmord wurden in diesem Jahr in den Kirchenbüchern aufgeführt – der tragischste Fall wohl der des erst 14-jährigen Mittelschülers Werner G., einziges Kind seiner Eltern, der sich am 23. November 1917 erschossen hat.

Doch auch zu feiern gab es viel: immerhin 313 Jugendliche wurden im Jahr 1917 konfirmiert. 43 Paare gaben sich in der Hoffnungskirche das Ja-Wort. (GL)

… vor hundert Jahren: Weihnachtspäckchen an die Front

Seit September wurde in allen karitativen Vereinen und Einrichtungen für das alljährliche Versenden von Weihnachtspäckchen an die Front und in die Lazarette geworben. Mit dem Herannahen der Weihnachtszeit wurden die Bitten dringlicher. Allen war klar: Viele litten selbst Not, für die meisten war es schwer, Päckchen zu packen.

In den Geschäften gab es fast nichts mehr zu kaufen. Lebensmittel, Bekleidung u.a. waren rationiert. Die Spendenaufrufe waren deshalb oft mit Ratschlägen und Tipps für selbstgebastelte Geschenke versehen. So wurden Bastelanleitungen für selbstgefertigte Gesellschaftsspiele herausgegeben. Spiele erfreuten sich sowohl an der Front als auch in den Lazaretten großer Beliebtheit. Es gab einen großen Bedarf an solchen Dingen. Eines dieser selbstgemachten Spiele hieß „Mönchspiel“. Das Spielprinzip glich dem des heutigen „Solitaire“.

Ebenso wurden kleine nützliche Dinge, wie Zigarrentaschen aus Bast oder andere kleine Behälter, die man selbst basteln konnte, als Gaben empfohlen. Die Frauen wurden außerdem dazu ermuntert, sich von eigenen Büchern, Wäschestücken wie Handtüchern und Taschentüchern, Besteck oder kleinen Musikinstrumenten zu trennen und den Päckchen beizufügen.

Nicht nur die Soldaten an der Front und in den Lazaretten sondern auch die Kriegsgefangenen, die in ganz Europa und teilweise in Asien in Lagern ums Überleben kämpften, brauchten gerade zu Weihnachten Unterstützung. Dank des Roten Kreuzes war es für viele Familien möglich ihren Angehörigen in den Gefangenenlagern Briefe, Postkarten, Pakete und Geld zu schicken. Ein über die Kriegsjahre gut ausgebautes Informations-, Kontakt-, und Logistiknetzwerk zwischen den nationalen Rotkreuzorganisationen und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes konnte diese dringend benötigte Hilfe anbieten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes bekam dafür 1917 den Friedensnobelpreis. Es war die einzige Organisation, die während des Ersten Weltkrieges diesen Preis erhielt.

In der Hoffnungsgemeinde wurden viele Weihnachtspakete liebevoll zusammengestellt und an die Soldaten geschickt. Sieghild Jungklaus erinnert sich später: „Ich entsinne mich der Flut von Päckchen, die in meinem Elternhaus z.B. vor Weihnachten gepackt wurden und mit der Feldpost abgingen …“ (CB)