… vor hundert Jahren: 180 Jugendliche feiern Konfirmation in der Hoffnungskirche

Konfirmationsurkunde der Hoffnungsgemeinde Berlin Pankow
Konfirmationsurkunde der Hoffnungsgemeinde Berlin Pankow

Seit dem Bestehen der Gemeinde hatten sich noch nie so viele junge Leute für eine Konfirmation in der Hoffnungskirche entschieden wie in diesem letzten Kriegsjahr. Warum sich ausgerechnet in diesem März so viele von Pfarrer Jungklaus und Pfarrer Simon konfirmieren ließen, kann nicht genau beantwortet werden. Auffällig ist, dass eine Reihe von ihnen nicht wie in den Jahren zuvor in Berlin oder deren Vororten geboren und getauft worden waren sondern mit ihren Familien erst später nach Berlin bzw. Pankow gezogen waren.

Dies lässt sich auch jetzt wieder in unserer Gemeinde beobachten. In den letzten Jahren ist die Zahl der Konfirmanten mit dem Zuzug vieler junger Familien kontinuierlich gestiegen.

Am 21. März 1918 konfirmierte Pfarrer Jungklaus 47 Mädchen und 39 Jungen. Unter ihnen befand sich der 14-jährige Edgar Parzifal Karl Wilhelm Schlaf, der in London geboren und getauft worden war und später mit seinen Eltern nach Berlin übersiedelte. Sein Vater, Karl Schlaf, war Werkführer und hatte die Position eines Aufsehers oder Vorstehers in einer Fabrik. In welcher Fabrik er diese höhere Postion einnahm ist nicht bekannt.

Viele andere Väter waren bei der Bahn beschäftigt. Sie waren entweder Lokomotivführer, Schaffner oder Bahnarbeiter.

Einen Tag später feierte Pfarrer Simon mit 94 Jugendlichen Konfirmation in der Hoffnungskirche. Es waren 51 Mädchen und 43 Jungen, unter ihnen sein eigener 14- jähriger Sohn Wolfgang Karl Theodor Simon. Er wurde in Sagan, im heutigen Polen, geboren und getauft. Auch die Pfarrersfamilie Simon war erst einige Jahre zuvor nach Pankow gezogen.

Eines der Mädchen, Maria Blaschke, war in Wien geboren und getauft worden. Ihre Eltern waren beide katholisch und besaßen eine Wäscherei in der Prenzlauer Promenade. Elfriede Herden war zunächst in der benachbarten katholischen Kirche St. Georg getauft worden. Ob sich die beiden Mädchen mit Zustimmung ihrer Eltern konfirmieren ließen oder gegen ihren Willen und welche Gründe die beiden hatten, werden wir wohl nie erfahren.

Der Krieg konnte auch einem solchem festlichen Tag nicht ganz ausgeblendet werden, zumindest bei den sieben Familien, die ohne einen Vater feierten. Ein Pflegekind beging seinen großen Tag ohne eigene Eltern. Einen schönen und aufregenden Tag hatten hoffentlich trotzdem alle 180 konfirmierte Jugendliche. (CB)

… vor hundert Jahren: Schuljahresbeginn zu Ostern – Pankower Schulen – Nutzung der Schulräume als Gemeinderäume

Schuljahresbeginn im Deutschen Reich war seit Anfang des 20. Jahrhunderts, so auch 1918 in Pankow, zu Ostern. Doch das letzte Schuljahr im Ersten Weltkrieg sollte für die meisten Schüler kein gewöhnliches werden. Wie schon in den vorhergehenden Kriegsjahren galt es für die diese oft, außerhalb der Schule Hilfsdienste zu leisten und anstelle der Männer gemeinsam mit den Frauen und Alten die Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Viele Schulen wurden außerdem zu Kasernen umfunktioniert, so auch die Schule in der Grunowstraße. Der Unterricht fand nur unregelmäßig statt, da viele männliche Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen waren und ohne Vertretung fehlten. Von einer Erfüllung der Schulpflicht konnte nicht gesprochen werden.

Preußen hatte zwar schon 1717 unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eine Unterrichtspflicht für Kinder eingeführt, doch deren Durchsetzung sollte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dauern. Volksschulen fanden zunächst Verbreitung. Eine weitergefasste Schulpflicht mit acht Schuljahren und fortbildender Schule bis zum achtzehnten Lebensjahr bestand erst ab der Weimarer Republik.

Mit 40000 Einwohnern war Pankow um die Jahrhundertwende zu einem ansehnlichen Berliner Vorort angewachsen und der Bau von großen Schulgebäuden wurde in Angriff genommen.

Ein bescheidenes erstes Schulgebäude am alten Dorfanger von 1837 mit zunächst zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen in der Breiten Straße wurde 1869 um je vier Klassenräume und vier Lehrerwohnungen erweitert. Die Alte Pankower Gemeindeschule war bald für die 586 Kinder schon wieder zu klein und diente ab 1890 nur noch als Mädchenschule. Die Knaben bekamen einen neuen, stattlichen Schulbau in der Schulstraße, 1904 eröffnete in der Grunowstraße, nach Entwürfen des in Pankow tätigen Architekten Wilhelm Johow, die 2. Gemeindeschule.

Neue Schulräume gab es auch in der Thule-Grundschule und der Schule am Eschengraben, (heute zur Trelleborger Grundschule fusioniert). In der Thulestraße hatte die 3. Gemeindeschule 1893 mit sechs Klassen von insgesamt 254 Jungen und Mädchen eröffnet, 1914 wurde sie umgewandelt zur Gemeindeschule für Knaben, während die Schule am Eschengraben als reine Mädchenschule diente. Die Bornholmer Grundschule erbaute 1910 der Architekt und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, der in Berlin insgesamt 70 Gemeindeschulen gebaut hatte.

Als erste zum Abitur führende Schule wurde 1907 in der Kissingenstraße das Realgymnasium Pankow (heute Rosa-Luxemburg-Gymnasium) eröffnet, in dem nur Knaben unterrichtet wurden. Zum Schulbau fügte Wilhelm Johow eine Turnhalle, eine „Villa“ für den Schuldirektor und später ein Toilettenhaus auf dem Hof.

Das Gegenstück, die höhere Mädchenschule, ein Lyzeum, konnte im Frühjahr 1910 nach Plänen des Architekten und Regierungsbaumeisters Carl Fenten in der Görschstraße eröffnet werden (heute Carl-von-Ossietzky-Gymnasium). Zusammen mit drei Gemeindedoppelschulen – also für Jungen und Mädchen – und einem Lehrerseminar mit Übungsschule war dieser historisierende Bau der riesigste Schulkomplex Pankows.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts auch der Mietskasernenbau in Pankow Süd rasant zunahm und die Hoffnungskirche noch nicht gebaut war, bezog die Kirchengemeinde noch in Friedenszeiten Schulräume zur Nutzung für Gottesdienste und Kindergottesdienste ein. Sieghild Jungklaus erinnerte sich aus Anlass des 50. Kirchweihjubiläums: „Der Kirchengemeinde wurde allmählich klar, dass sie für die Christen in diesem neu entstandenen Ortsteil etwas tun müssten. Die ersten Anfänge kirchlicher Arbeit bestanden darin, dass Gottesdienst und Kindergottesdienst in diesem Siedlungsgebiet gehalten wurde, und zwar in der Schule in der Thulestr. Es war ja damals selbstverständlich, dass die Schule der Kirche ihre Räume zur Verfügung stellte. Der für diesen Bezirk zuständige Pfarrer war Pfarrer Pankow, der in der Binzstr. wohnte. Die Schwestern, die zuerst in diesem Bezirk Dienst taten, waren Schwester Ida und Schwester Marthe Telzero. Es sammelte sich auch bald unter Leitung der Schwestern ein stattlicher Jungfrauenverein, wie man damals den weiblichen Teil der jungen Gemeinde nannte, und unter Pfarrer Pankows Leitung ein blühender Helferkreis für den Kindergottesdienst.“(CW)