…vor hundert Jahren: Berliner fahren Straßenbahn

1918 durchzog ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz die Stadt.

Angefangen hatte es mit Pferdebahnen, die später von den elektrischen Bahnen abgelöst wurden. Die erste Pferde-Straßenbahn fuhr vom Brandenburger Tor bis nach Charlottenburg zum damaligen Pferdebahnhof an der Kreuzung Spandauer Damm/Sophie-Charlotten- Straße. Ihre Jungfernfahrt hatte sie am 22. Juni 1865. Knapp 16 Jahre später, am 16. Mai 1881, nahm die erste elektrische Straßenbahn  in Lichterfelde ihren fahrbahnmäßigen Betrieb auf. Sie war eine Erfindung Werner von Siemens und eine große Weltneuheit.

In den Jahren danach kamen immer neue Strecken hinzu. Berlin wurde immer größer und die Vororte wurden zu ausgebauten Städten. Damit einher ging ein immer weit verzweigteres Straßenbahnnetz.

In Pankow wurde am 1. März 1904 der Straßenbahnbetrieb aufgenommen. Die Linie 49 fuhr von der Breiten Straße über die Schönhauser Allee, den Alexanderplatz, Kottbusser Tor bis zum Hermannplatz.

Ab dem 1. September 1907 fuhr eine weitere Straßenbahn. Die Linie Nr. 5 machte einen großen Bogen von Pankow (Breite Straße) bis zum Wedding über die Schönhauser Allee, den Alexanderplatz, die Hasenheide, die Yorkstraße, die Turmstraße, die Fennstraße zur Pankstraße. Beide Linien unterhielt die „Große Berliner Straßenbahn“, ein privates Unternehmen.

Die Straßenbahn war das beliebteste Berliner Verkehrsmittel. Seit 1908 gab es insgesamt 98 Straßenbahnlinien betrieben von 15 unterschiedlichen Straßenbahngesellschaften (acht private und sieben kommunale), die ein umfangreiches Liniennetz geschaffen hatten. Alle Straßenbahnunternehmen waren in einem Dachverband organisiert, der abgestimmte Fahrzeiten ermöglichte.

Die Fahrpreise waren mit dem Ausbau der Straßenbahnlienien kontinuierlich gestiegen. So kostete 1918 der Einzelfahrschein 0,15 M. Man konnte aber auch Doppelfahrscheine, Sammelkarten für 8 Fahrten, Monatskarten (auch für Schüler) und Arbeiterwochenkarten für 6 Fahrten erwerben.

Des einen Freud war des anderen Leid. Mit der Zunahme des Straßenbahnverkehrs stiegen auch die Verkehrsunfälle und immer häufiger kam es zu Personenschäden oder sogar Todesfällen. Vor allem Kinder waren von den schweren Unfällen betroffen. Die Schulverwaltung wies deshalb die Schulen an, Verkehrserziehung in den Unterricht aufzunehmen. Die Schüler sollten auf die besonderen Gefahren des Straßenbahnverkehrs hingewiesen werden.

Aber nicht nur Kinder verunglückten. Immer öfter gab es auch Zeitungsmeldungen über Verkehrsunfälle von Erwachsenen.

Die „Märkische Rundschau“ vom 20. Juni 1918 (Nr. 142) meldete:

Pankow. In der Schloßstraße zu Pankow stießen am Sonntag Nachmittag zwei Straßenbahnwagen zusammen, wobei ein Wagen bis auf den Bürgersteig geschleudert wurde. Eine Frau erlitt schwere, fünf weitere Fahrgäste leichte Verletzungen.“

Mehr als 40 tödliche Straßenbahnunfälle gab es jährlich in Berlin.

Auch Mitglieder der Hoffnungsgemeinde waren davon betroffen. Im Sterberegister der Gemeinde findet sich immer mal wieder der Eintrag „Tod auf/an der Straßenbahn“ als Todesursache. Von einem besonderen Fall hatten wir bereits im Februar berichtet. (CB)

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