… vor hundert Jahren: Die Hoffnungsgemeinde wird fünf Jahre alt

Der 12. September 1918 war ein gewöhnlicher Donnerstag. An diesem Tag ließen weder eine Taufe noch eine Hochzeit die Kirchenglocken außerhalb der gewohnten Zeiten schlagen.

Die Zeitungen meldeten den Beginn einer weiteren Schlacht gegen die deutschen Truppen, aber das Kriegsgetöse war weit weg. Nichts deutete auf ein baldiges Ende des Krieges hin. Die Menschen in Pankow gingen ihren alltäglichen Geschäften nach.

Für die Hoffnungsgemeinde war es dennoch ein besonderer Tag. Sie hatte ihr 5-jähriges Jubiläum. Besondere Feierlichkeiten gab es nicht. Vermutlich hatten die meisten Gemeindemitglieder, die Frauen waren, dafür keine Zeit und Möglichkeiten. Sie mussten arbeiten gehen und/oder sich um ihre Kinder und die von der Front zurückgekehrten Männer, Väter, Brüder oder Söhne kümmern.

Auch wenn der Kriegsalltag wenig Grund zur Freude gab, die Mitglieder und Pfarrer der Hoffnungsgemeinde konnten mit Stolz auf die Bilanz ihrer ersten fünf Jahre blicken. Es hatte sich ein reges Gemeindeleben in der Kirche und den Räumen des Gemeindehauses entwickelt. Ein Blick in die Kirchenbücher erzählt davon:

1.284 Menschen, vorwiegend Kinder, wurden bis zum fünften Jubiläumstag in der Hoffnungskirche getauft. Die erste Taufe erhielt der vier Monate alte Kurt Fritz Georg am 5. Oktober 1913. Pfarrer Jungklaus taufte ihn. Fünf Taufpaten standen dem kleinen Jungen an diesem wichtigen Tag zur Seite.

Am 25. September 1918 wurden ein zweites Mal in diesem Jahr Jugendliche von Pfarrer Simon und Jungklaus konfimiert. In den ersten fünf Jahren erhielten insgesamt 1.517 Jungen und Mädchen von den beiden Pfarrern die Konfirmation.

Auch die kirchlichen Trauungen gehörten zum Alltag der Gemeinde. Die erste Hochzeit fand am 3. Oktober 1913 statt. Der 31-jährige Bräutigam Franz Oskar Steinhagen und seine 29-jährige Braut Elisabeth Franziska Karolina Martha Matilda Schubn ließen sich von Pfarrer Pankow den Segen für ihre Ehe geben. Weitere Paare folgten und so gaben sich insgesamt 252 Paare bis zum Jubiläumstag das Ja-Wort in der Hoffnungskirche. Am 14. September 1918 ließen sich wieder zwei Paare von Pfarrer Simon trauen. Sie wohnten jedoch nicht im Einzugsgebiet der Gemeinde.

Nicht nur freudige Ereignisse wurden gefeiert, auch die traurigen hatten ihren Platz. Es gab in jedem Jahr mehr als hundert kirchliche Bestattungen. Viele Kinder und Jungerwachsene waren darunter. Manche der Gemeindemitglieder erreichten jedoch ein hohes Alter. So verstarb Ludwig Brandt im Jahr 1915 im Alter von 91 Jahren. Auch Friederike Heyer, verwitwete Busch, geborene Bergemann wurde 1917 im gleichen Alter bestattet.

Die im Jahr 1918 einsetzende epidemische Spanische Grippe forderte unter den Gemeindemitgliedern scheinbar keine großen Opfer. Seit Juli 1918 bis zum Jahresende starben elf von ihnen an der Grippe.

Fünf Jahre stand die Hoffnungskirche allein auf weiter Flur umgeben von Feldern und Wiesen. Für viele Menschen war sie ein wichtiger Anlaufpunkt, hier feierten sie ihre Gottesdienste und Feste und hier teilten sie ihr Leid und trösteten einander.

Die Entscheidung des Pankower Gemeindekirchrates zum Bau einer weiteren Kirche mit einem Gemeindehaus und Kindergarten in der damaligen Lindenpromenade war für viele zum Segen geworden.

Pankow hatte sich zu einer attraktiven Stadt für viele Menschen entwickelt. Von 1900 bis 1920 verdreifachte sich die Bevölkerungszahl auf ca. 58.000 Einwohner.

Doch der Krieg forderte seine Opfer. Ca. 10.000 Männer aus Pankow wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Davon fielen etwa 1.500 und viele kehrten verwundet oder versehrt zurück. Einer der bekanntesten Männer, die gleich zu Beginn des Krieges fielen, war der Pankower Bürgermeister Wilhelm Kuhr. Einer der Letzten, die nicht zurückkamen, war der Sohn des Pankower Pfarrers Ferdinand Beier.

Der neue Bürgermeister Gustav Slawitz kümmerte sich trotz des anhaltenden Krieges um den Ausbau der Infrastruktur und mit mäßigen Erfolg um den Bau von Wohnungen.

Während die Wohnungsknappheit auch heute noch ein Problem nicht nur in Pankow ist, werden Jubiläen mit größeren oder kleineren Festivitäten gewürdigt. Nicht aber vor hundert Jahren, an einem scheinbar gewöhnlichen Donnerstag in einer alles anderen als gewöhnlichen Zeit.

(CB)

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