…vor 100 Jahren: Die Spanische Grippe fordert viele Opfer

Im Jahr 1918 gab es in Deutschland und auf der ganzen Welt einen Feind, der sich rasend schnell über die ganze Welt ausbreitete und nach heutigen Schätzungen circa 50 Millionen Todesopfer forderte (einige Schätzungen gehen sogar von 100 Millionen aus) – mehr Menschen als bei den Kampfhandlungen des ersten Weltkrieges starben. Die Spanische Grippe kam in drei Wellen, wovon die zweite im Oktober 1918 die tödlichste war. Sie hatte eine erschreckend hohe Sterblichkeitsrate und zudem waren die meisten Todesopfer eher junge, kräftige Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Die sonst oft von Infektionskrankheiten betroffene Gruppe der Alten blieb zum größten Teil von der Grippe verschont, zumindest endete sie bei ihnen in den meisten Fällen nicht tödlich.

Auch in Pankow und in der Hoffnungskirchengemeinde wütete die Spanische Grippe – an manchen Tagen mussten die Pfarrer drei bis vier Bestattungen durchführen. Anhand der Kirchenbücher ist zu sehen, dass die Lage hier dem weltweiten Trend entsprach. 35 Menschen starben im Oktober 1918 in der Hoffnungskirchengemeinde. Deutlich mehr als im Rest des Jahres, in dem durchschnittlich 13 Menschen pro Monat bestattet wurden. Bei 8 Verstorbenen ist als Todesursache Grippe oder Influenza vermerkt, weitere 13 Menschen sind an Lungenentzündungen gestorben, die sich oft an eine Grippeinfektion anschloss und dann zum Tode führte. Man kann also davon ausgehen, dass in diesem Oktober circa 21 der insgesamt 35 Toten an den Folgen der Grippe gestorben sind, also fast zwei Drittel. Auch hier waren es vor allem junge Menschen. Lediglich drei der im Oktober Bestatteten waren über 60 Jahre alt.

Für einige Familien stellte die Spanische Grippe ein Drama dar, von dem sie sich nicht wieder erholten. Die Ernährer der Familien fielen aus – entweder weil sie schnell starben oder sich nach überstandener Grippe nur sehr langsam erholten. Nicht wenige Patienten hatten im Anschluss mit Depressionen oder neurologischen Ausfallerscheinungen zu kämpfen. Nachdem etliche Männer im Krieg umgekommen waren, verloren einige Kinder nun auch ihren zweiten Elternteil und blieben als Waisen zurück. Der Anblick der an der Grippe Sterbenden war teilweise traumatisch: da meist die Lunge betroffen war, konnte der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Haut färbte sich zunehmend blau, im Endstadium fast schwarz, bevor der Mensch verstarb.

Die Medizin, die erst vor kurzem das Gebiet der Bakteriologie entdeckt hatte, – woran Forscher der Berliner Charité einen entscheidenden Anteil hatten – standen der Spanischen Grippe hilflos gegenüber. Denn kein Bakterium konnte als Ursache identifiziert werden. Aber was war dann die Ursache? Die technischen Möglichkeiten waren erst 1931 mit der Erfindung des Elektronenmikroskops so weit, dass etwas so kleines wie der Grippevirus identifiziert werden konnte. (GL)

Reconstructed_Spanish_Flu_Virus
Rekonstruierter Virus der Spanischen Grippe. Quelle: Cynthia Goldsmith Content Providers: CDC/ Dr. Terrence Tumpey/ Cynthia Goldsmith – vom Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), Identifikationsnummer #8243

… vor hundert Jahren: Vom Branntweinmonopol und Alkohol

Während das Ende des 1. Weltkriegs absehbar war und bereits Friedensverhandlungen eingeläutet wurden, beschloss die Regierung eine Abgabenerhöhung für den Postverkehr sowie den Verkauf von Bier und Branntweinen. Darunter litten neben den Gastwirten vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung.

Anders als heutzutage war Alkohol weniger im privaten Rahmen ein Thema, vielmehr zentraler Bestandteil des freizeitlichen Beisammenseins in den unzähligen Kneipen. Während die Frauen zuhause für die Kinder und den Haushalt zuständig waren, gehörte es insbesondere für die Männer der Arbeiterklasse zu einem normalen Feierabend, ein, zwei Gläser Bier und ein paar Kurze zu trinken.

Alkoholismus war immer noch ein großes Problem, obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch von Schnaps in den letzten 50 Jahren um ein Drittel zurückgegangen war. Eine der Hauptursachen für den Rückgang war die stetig steigenden Abgaben auf Spirituosen.

Am 01. Oktober 1918 gab es zum letzten Mal im bald nicht mehr existenten deutschen Kaiserreich eine Erhöhung der Reichsabgaben. Pro Liter Likör musste ein Wirtshaus oder eine Kneipe für die damalige Zeit sehr hohe 14 Mark Zollgebühren an das Reich bezahlen, für Cognac 13 Mark und für alle anderen Trinkbranntweine 7,5 Mark. Im Gegensatz zu anderen Gütern wurden die Branntweine nicht exportiert, sondern nur innerhalb der Reichsgrenzen verkauft. Man sprach von einem Branntweinmonopol. Damit das Reich trotzdem durch den Inlandsverkauf Einnahmen generieren konnte, wurden regelmäßig die Abgaben erhöht. Ebenfalls davon betroffen war die Biersteuer, jedoch in deutlich kleineren Dimensionen. Der Bierkonsum pro Person war im Gegensatz zum Branntwein kontinuierlich angestiegen, in den letzten 40 Jahren um fast ein Drittel. Damit zeigte sich eine deutliche Tendenz innerhalb der Gesellschaft: Eine Entwicklung weg vom Besäufnis hin zu einer mehr oder weniger verantwortungsvollen Trinkkultur. Dem konnte auch nicht die neuerliche Erhöhung der Biersteuer auf 12,05 Pfennig pro Liter entgegen wirken.

Im Einzugsgebiet der Gemeinde befand sich die 1882 gegründete Weißbierbrauerei Willner auf dem Gelände Berliner Straße/Eschengraben. Das Bier erfreute sich großer Beliebtheit und so überstand diese Brauerei nicht nur die Wirren des Ersten und Zweiten Weltkrieges und deren Nachkriegszeit, sondern konnte bis 1990 ihren Betrieb aufrecht erhalten.

Auf dem Gelände gab es eine Gastwirtschaft, in der sicherlich das Willner-Bier ausgeschenkt wurde. Auch in vielen anderen der zahlreichen Pankower Gasthäusern, Kneipen und Eckkneipen konnte Bier getrunken werden. Die Auswahl war groß. Schon in der Berliner Straße gab es über zehn Gastwirtschaften, sogar in der Brennerstraße 1 konnte man bei einem Bier zusammensitzen. (Ferdinand Bourcevet)