… vor hundert Jahren: Ende des Ersten Weltkrieges

In den letzten Monaten hatte sich immer mehr Kriegsmüdigkeit unter der Bevölkerung breit gemacht. Die meisten sehnten den Frieden herbei. Auch unter den Politikern wuchs der Widerstand gegen eine Weiterführung des Krieges.

Die erwarteten militärischen Erfolge des deutschen Heeres waren seit dem Sommer ausgeblieben, die Mehrzahl der Soldaten waren demoralisiert und die deutsche Wirtschaft lag nach vier Kriegsjahren darnieder. Eine Besserung war nicht in Sicht.

Aus dieser Situation heraus entschied sich die deutsche Heeresleitung Anfang Oktober 1918 Waffenstillstandsverhandlungen zu führen. Sie wollte ohne größere Zugeständnisse an ihre Gegner den Krieg beenden. Zu einer schnellen Einigung zwischen den Kriegsparteien kam es nicht.

Ende Oktober verweigerten viele Matrosen den Gehorsam und bildeten gemeinsam mit den Soldaten und Arbeitern eigene Räte, die letztlich zur Abdankung des Kaisers am 9. November 1918 führten.

Zwei Tage später trat das von der neuen deutschen Regierung in Frankreich unterschriebene bedingungslose Waffenstillstandsabkommen in Kraft, das das Ende des Ersten Weltkrieges markiert.

Dem Abkommen folgten Vertragsverhandlungen mit den Siegermächten, die ihren Abschluss in den sog. Versailler Verträgen fanden. Deutschland wurde darin zu hohen Reparationszahlungen und anderen Leistungen verpflichtet, die letztlich, so die überwiegende Meinung der Historiker, zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führten.

An einigen Fronten, überwiegend in Afrika, wurde auch nach dem 11. November 1918 noch weitergekämpft. Die Nachricht über den vereinbarten Waffenstillstand erreichte die Generäle erst später.

Die Zahl der Kriegstoten stieg bis zum Ende des Jahres weiterhin an. In den Dezemberausgaben der Zeitungen fanden sich noch viele Todesanzeigen von im Krieg gestorbener Männer und Frauen.

Während des Ersten Weltkrieges starben ca. 9 Millionen Soldaten, davon ca. 2 Millionen deutsche. Viele der heimgekehrten Männer hatten Schaden an Leib und Seele genommen. Ungefähr 2,5 Millionen Deutsche kehrten kriegsversehrt zurück.

Auch in unserer Kirche gedachte man der gefallenen Männer der Hoffnungsgemeinde. Auf der linken Seite des Altarraum lag ein Buch aus, in dem ihre Namen verzeichnet wurden. Dieses Buch ist leider nicht mehr erhalten und somit bleiben uns nur wenige Informationen über die in diesem Krieg umgekommenen Mitglieder unserer Gemeinde. (CB)

… vor hundert Jahren: Abdankung des Kaisers

Auf den Straßen Berlins geht es am 9. November 1918 hoch her. Die Menschen strömen aus allen Richtungen in die Mitte der Stadt. Zeitungsjungen wedeln an jeder Straßenecke und auf den Bahnhöfen mit den druckfrischen Gazetten und rufen den Vorbeieilenden die allerneuste Schlagzeile entgegen: „Der Kaiser hat abgedankt!“

Vor dem Reichstagsgebäude drängt sich eine große Menge. Überall, auf dem Platz vor dem Reichstag, auf dessen Stufen und Säulensockeln stehen sie dicht an dicht und warten gespannt auf eine offizielle Bestätigung der Zeitungsmeldung.

Gegen 14.00 Uhr erscheint der SPD-Politiker Philipp Scheidemann auf dem Westbalkon und verkündet den Zusammenbruch der Monarchie. Er ruft die deutsche Republik aus. Jubel brandet auf. Hüte fliegen in die Luft. Die Menschen reißen begeistert die Arme in die Höhe und lassen die neue Republik hochleben.

Zwei Stunden später gibt es ein ähnliches Szenario: Karl Liebknecht vom sozialistischen Spartakusbund ruft im Lustgarten beim Berliner Schloss die sozialistische Räterepublik vor den herbeigerufenen Soldaten und Arbeitern aus. Auch hier gibt es Jubel, Hochrufe und Beifall. In den Wochen zuvor hatten sich bereits in den deutschen Städten Arbeiter- und Soldatenräte gebildet.

An diesem Tag werden in Berlin gleich zwei Republiken ausgerufen.

Nur wenige wissen zu dieser Zeit, dass Kaiser Wilhelm keineswegs selbst abgedankt hatte. Er hielt sich mit seinem Stab in Belgien auf und lehnte zunächst die telefonische Aufforderung des Reichspräsidenten Max von Baden, der ihm eine Abdankung nahelegte, ab. Der Reichspräsident und andere Regierungsmitglieder befürchteten, dass es in Berlin zu ähnlichen revolutionären Zuständen wie in Russland kommen könnte.Wilhelms Versuch, als Kaiser, nicht als preußischer König zurückzutreten, scheiterte, da Max von Baden ohne dessen Zustimmung seine endgültige Abdankung in alle Welt telegrafierte.

Es folgen unruhige Zeiten, in denen von allen Seiten um die Macht gekämpft wird. Karl Liebknecht und seine Anhänger können sich letztlich nicht mit ihrer Idee durchsetzen. Auch eine Rückkehr der Monarchie gelingt ihren Vertretern nicht. 1919 etabliert sich eine parlamentarische Republik, die Weimarer Republik. (CB)