…vor 100 Jahren – Pankow und das Kino

Während in diesen Tagen die Berliner Filmfestspiele Zuschauer aus aller Welt in die Kinos der Stadt locken, steckte vor 100 Jahren das Kino noch in den Kinderschuhen. Doch Pankow war ein Ort, der die Anfänge des Kinos miterlebte, denn hier lebte und wirkte Max Skladanowsky, der zusammen mit seinem Bruder Emil 1894 eine Filmkamera und 1895 das Bioscop, einen Filmprojektor, baute. In der Berliner Straße 27, wo sich damals das Ausflugslokal „Feldschlößchen“ befand, zeigten die Brüder den Gästen im Juli 1895 erste Filme und drehten im Garten des Lokals kurze Filme, die im November 1895 im Berliner Wintergarten-Varieté als 15-minütiger Abschluss des Programms gezeigt wurde. Die Aufnahmen zeigten u.a. akrobatische und Jonglage-Nummern, verschiedene Tänze und ein boxendes Känguruh. Einen Monat lang wurde dieses Programm vor immer ausverkauften Publikum gezeigt. Ein Zeitungredakteur schrieb damals: „Das Finale der Vorstellung springt auf die kleinere Bühne des Bioscop über. Der ingeniöse Techniker benutzt hier ergötzliche Momentphotographie und bringt sie in vergrößerter Form zur Darstellung, aber nicht starr, sondern lebendig. Wie er das macht soll der Teufel wissen.“ Diese Präsentation ist als eine der ersten Filmvorführungen vor zahlendem Publikum in die Filmgeschichte eingegangen (zusammen mit der der Brüder Lumiére in Paris) und markiert damit die Geburtsstunde des Kinos. Einige Jahre später etablierte sich an diesem historischen Ort unter dem Namen „Pankower Lichtspiele“ ein festes Kino. Später wurde es in „Tivoli“ umgetauft, das an dieser Stelle noch bis 1994 existierte. Heute befindet sich auf dem Grundstück der Lidl-Markt, ein Mosaik-Schriftzug erinnert an die historische Bedeutung des Ortes und die Vorführung der Brüder Skladanowsky.

Dieses Ereignis strahlte auf Pankow aus – vor hundert Jahren, im Jahr 1919, hatten sich bereits sechs Kinos in Pankow etabliert, wo sich die Pankower Filme ansehen konnten. (GL)