… vor hundert Jahren: Kleingärten, Arbeitergärten, Schrebergärten

„Wir müssen alle mehr denn jemals an der Erzeugung der Lebensmittel teilnehmen. Wir müssen alle lernen, wenigstens ein Stück Garten sachgemäß zu bearbeiten.“ So lautet einer der Aufrufe des Roten Kreuzes an seine Mitglieder im Frühjahr 1919.

Im Roten Kreuz gab es bereits schon lange vorher eine Reihe prominenter Befürworter und so entstanden 1901 in Charlottenburg die ersten Arbeitergärten, kleine parzellierte Grundstücke. Hintergrund war zunächst, dass den vielen an Tuberkulose erkrankten Berlinern und ihren Familien die Möglichkeit geschaffen werden sollte, sich an frischer Luft zu betätigen, zu erholen und sich mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, die sie sich selbst nicht leisten konnten.

Paralell dazu gab es die Laubenkolonnisten, sie waren aus der sogenannten Pflanzerbewegung entstanden. Brachliegende Flächen, meist Bauerwartungsland, wurden genutzt, um Kartoffeln und andere anspruchslose Früchte anzubauen. Außerdem wurden einfache Baracken und Unterstände auf den Grundstücken errichtet. Mit diesen bescheidenen Mitteln wollten die „Laubenpieper“ ihre Ernährungslage verbessern und den schlechten Wohnverhältnissen entkommen. Bis 1910 gab es in Berlin ca. 40.000 Kleingärtner. Der genutzte Boden gehörte meist der Stadt. Auch Kirchen und Privateigentümer, wie Terraingesellschaften, boten ungenutzte Flächen für eine kurzfristige Nutzung an. In der Regel wurden sie für drei bis sechs Jahre verpachtet.

Mit dem Ersten Weltkrieg und dessen Ende wurde es immer wichtiger, auf dem Land und in der Stadt die bäurische und kleingärtnerische Eigenversorgung voranzutreiben. In Zeitungen, Vereinen u.a. warb die Regierung dafür, einen eigenen Beitrag zur Lebensmittelversorgung zu leisten.

Verschiedene gesetzliche Regelungen unterstützten die kleingärtnerische Initiative. Doch einen umfassenden Schutz für Schrebergärten gab es nicht. Erst mit der am 31. Juli 1919 in Weimar verabschiedeten Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung wurde dies erreicht. Sie fasste die bestehenden Regelungen zusammen und ergänzte sie. Damit wurden erstmals die Kleingärtner vor zu hohem Pachtzins und willkürlicher Kündigung geschützt.

Auch in unserem Gemeindegebiet gab es Kleingärten. Bis in die 1920-er Jahre waren nach der Erinnerung von Gemeindemitgliedern in der Neumann- und Westerlandstraße Laubengärten vorhanden, teilweise mit Scheunen ausgestattet.

Das Areal, das sich hinter der Kirche bis zur Binzstraße zog, war vor dem Ersten Weltkrieg von einer der Berliner Terraingesellschaften erworben worden. Es wurde nicht bebaut und später, ebenfalls in den 20-er Jahren, für Schrebergärten bis in die 1970-er Jahre genutzt. (CB)

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