vor hundert Jahren … Walter Koeppen – Architekt im Berlin der Kaiserzeit und der Weimarer Republik

Walter Koeppen, geb. am 11. August 1877 in Berlin, gest. 1933, der sich im Wettbewerb für den Bau der Hoffnungskirche als Architekt durchgesetzt hatte und den prachtvollen Bau 1911-13 im neu zu erschließenden Gebiet Pankow-Süd realisierte, war bereits seit Anfang des Jahrhunderts mit baulichen Aktivitäten in der Stadt Berlin in Erscheinung getreten und blieb als solcher bis in die späten 1920er Jahre aktiv.

Seine ersten Entwürfe legte er schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor. So machte er 1905 durch Entwürfe zur Umgestaltung des Belle-Alliance-Platzes in Kreuzberg auf sich aufmerksam, damals in der Funktion eines Regierungsbauführers. Eine colorierte Entwurfszeichnung des Pavillons mit Wartebereich und „Cigarren“-Kiosk mit Grundrissplan und andere Entwürfe für Grabmalskunst, ein Landhaus und ein Kurhaus, datiert ab 1902, entstanden und werden heute im Architekturmuseum der Technischen Universität zu Berlin aufbewahrt.

Etwa zeitgleich zur Bauzeit der Hoffnungskirche ließ Walter Koeppen sich im damals noch außerhalb Berlins liegenden Hermsdorf privat nieder. Für das Grundstück Silvesterweg 11 (heutige Hausnummer) entwarf er ein geräumiges zweistöckiges Landhaus, dass von der Architekturfirma seines Bruders Carl Koeppen ausgeführt wurde. In der Architektonischen Rundschau 30 (1914) auf S. 71 wurde das Bauwerk mit Grundrissplänen des Erdgeschosses und des Obergeschosses sowie fotografischen Außen und- Innenansichten im Tafelteil der Fachzeitschrift abgebildet. An der Vorderseite des Hauses befindet sich ein von zwei Säulen flankierter, überdachter Portikus. Über dem Eingang prangt ein Reliefbild eines Puttos, welcher von der Jahreszahl 1912 umgeben ist; weitere Relieffriese gliedern die Ansicht des Gebäudes. Auf der Gartenseite des Hauses ist ein mittig gelegener Wintergarten mit aufgestockter Terrasse untergebracht. Ein Blick ins Innere zeigt das modern gestaltete Vestibül, das rechts auf eine breite Treppe mündet. Bei einem Abstecher von einem Spaziergang entlang des Tegeler Fließes kann auch der heutige Spaziergänger das Haus mit der Originalumfriedung noch in Augenschein nehmen.

Der Architekt hatte in Berlin sowohl für Sakral- als auch für Profanbauten gewichtige Aufträge. So schuf er schon vor dem Bau der Pankower Hoffnungskirche die Entwürfe zweier bedeutender Friedhofskapellen und mehrerer Grabmale in Berlin: 1908-09 entwarf er die Friedhofskapelle auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Kreuzberg mit einer Tempelfront und Dreiecksgiebel, in Anlehnung an das 1810 von Heinrich Gentz entworfene Mausoleum für Königin Luise im Park Charlottenburg. Die zweite Friedhofskapelle entstand 1910-12 auf dem St. Petri-Friedhof im Friedrichshain, deren Ausführung, wie schon erstere, das Baugeschäft seines Bruders Carl übernahm. Auch hier orientierte er sich an klassizistischen Architekturformen und kombinierte Portalsäulen in Kolossalordnung mit biedermeierlichen Elementen und farbigen Glasfenstern. Mustergültig gelang ihm die Einbindung des zweigeschossigen Putzbaues in die umgebenden Grabmale.

Zu Koeppens Leistungen auf dem Gebiet der Profanbauten in Berlin gehören die Wohnanlage in der Wollankstraße (1905-07) und die Posadowsky-Häuser (1905-06) im Ortsteil Gesundbrunnen, die in der Denkmaldatenbank verzeichnet sind.

Mit zunehmender Bauerfahrung übernahm Walter Koeppen auch technische Bauvorhaben in der rasant wachsenden Metropole Berlin:

An prominenter Stelle, unweit der gerade 2019 fertig gestellten James-Simon-Galerie, dem Zentraleingang zur Museumsinsel, befindet sich die „Eiserne Brücke“, nämlich die Verbindung der Museumsinsel zu den Uferstraßen am Kupfergraben und Am Zeughaus über den westlichen Spreearm.

Sie entstand 1914-16 nach Entwürfen Walter Koeppens als einbogige Brücke aus einer mit Muschelkalkstein verkleideten Eisenkonstruktion. Ihren Namen behielt die Brücke nach einem Vorgängerbau aus Gusseisen.

Bereits 1905 mit dem Pavillon am Belle-Alliance-Platz beschäftigt, konzentrierte sich Koeppen noch einmal 1920-23 mit dem Ort – ein aufwändiges Projekt für den Berliner Nahverkehr. So entwarf er den Untergrundbahnhof der Nord-Süd-Bahn am Bahnhof Hallesches Tor, der über eine Treppe und einen langgestreckten Tunnel mit dem Hochbahnhof verbunden war. Eine besondere Herausforderung dabei war der unmittelbar südlich liegende Landwehrkanal, wobei die Gleise unter der Wasserführung besonders tief angelegt werden mussten.

Mit der Bildung Großberlins 1920 war Walter Koeppen also an der Entwicklung und Modernisierung der Metropole in zahlreiche Projekte eingebunden und veröffentliche auch Publikationen, was z.B. eine von ihm – inzwischen längst zum Magistratsoberbaurat befördert – herausgegebene „Bauordnung für die Stadt Berlin“, vom 3. November 1925, mit Berlin-Plan belegt.

Alle aufgeführten Bauwerke stehen heute unter Denkmalschutz und sind in der Auflistung der Berliner Denkmaldatenbank verzeichnet. (CW)

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