… vor hundert Jahren: Helene Schmitz – eine Berliner Stadtverordnete

Für eine Weile war Helene Schmitz fast Pankowerin – bis sie sich gezwungen sah, im September 1939 (also vor genau 80 Jahren) ihre Wohnung in der Bornholmer Straße aufzugeben. Aber wie kam es dazu?Helene Schmitz, geborene Hüser, wurde am 18. März 1874 in Elberfeld als Tochter eines Schuhmachers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte sie eine Lehre, arbeitete im Anschluss als Posamentiererin und wurde sogar Meisterin und Abteilungsleiterin in der Herstellung von Zierborten. Im Jahre 1894 heiratete sie den Schlosser und Gewerkschaftsangestellten August Schmitz. Nach der Ehe nur Hausfrau zu sein, reichte ihr nicht, sie trat in die SPD ein. Den evangelischen Glauben empfand sie zu dieser Zeit als nicht mehr passend. 1910 zogen ihr Ehemann und sie nach Berlin. Auch in der großen Stadt blieb Helene Schmitz politisch in der SPD aktiv und 1916 erfolgte ihre Wahl in den Berliner SPD-Bezirksvorstand, dem sie bis 1926 angehörte. Mit der Revolution von 1919 bekamen Frauen in Deutschland nicht nur das Recht, zu wählen, sondern auch das Recht, gewählt zu werden. Helene Schmitz war eine der ersten Frauen, die in der Weimarer Republik im Stadtparlament und im preußischen Landtag vertreten waren. Bereits 1919 (und danach noch zwei weitere Male) wurde sie bei der Stadtverordnetenwahl im Wahlkreis 4 (Prenzlauer Berg) ins Stadtparlament gewählt, von 1925 bis 1932 gehörte sie dem Landtag an. Außerdem war sie von 1919 bis 1933 Vorstandsmitglied der Berliner Arbeiterwohlfahrt,die am 3. Dezember 1919 gegründet wurde, um der Not der Nachkriegsjahre besser begegnen zu können.Viele Jahre setzte sie sich auf diese Weise selbstbewusst und kämpferisch für die sozial Schwachen ein. Im Wahlkampf für die Wahl von 1932 verwies Helene Schmitz auf die Erfolge der sozialdemokratischen Regierungen in Preußen und machte sich stark für die Wiederwahl Otto Brauns. Vor allem die gesundheitlichen und fürsorgerischen Maßnahmen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit lagen ihr am Herzen. Aber auch der humane Strafvollzug und der soziale Wohnungsbau waren für sie wichtige Themen.Doch mit der Wahl verlor die „Weimarer Koalition“ in Preußen ihre Mehrheit und die Machtübernahme der Nationalsozialisten deutete sich an. Deren Erfolg im Januar 1933 wurde für das Ehepaar Schmitz zu einem tiefen Eingriff in ihr Leben. Aufgrund ihrer politischen Tätigkeit wurde Helene Schmitz von der Gestapo überwacht. Ihr Mann, der als Angestellter einer Gewerkschaft mittlerweile arbeitslos geworden war, erinnerte sich 1952: „Unsere jahrelange Arbeit für die SPD war natürlich noch ein mitbelastendes Moment bei der Auseinandersetzung mit den Nazis. […] Die tägliche Bespitzelung wurde so unangenehm, dass wir uns entschlossen, unsere Wohnung in der Bornholmer Straße aufzugeben. Unser Häuschen in Frohnau wurde zum Sammelpunkt der alten Kollegen und auch Naziverfolgten […].“ So verkleinerte sich der Wirkungskreis der Politikerin. Als dann noch ihr Frohnauer Rückzugsort 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, musste das Ehepaar in eine Kellerwohnung in der Nähe umziehen. Ihre politischen Möglichkeiten schrumpften also weiter und die Befreiung von den Nationalsozialisten erlebte Helene Schmitz nicht mehr. Wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges starb sie am 4. Mai 1945 an einem Gehirnschlag.  (JM)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s