… vor hundert Jahren: Ein Postamt für Pankow

1919 – endlich sollte Pankow ein ordentliches Postamt bekommen! Zwar hatte die Landgemeinde Pankow bereits 1867 ihr erstes Postamt in der Breiten Straße 35 erhalten und zwanzig Jahre später ein größeres in der gleichen Straße. Doch das 1887 errichtete Postamt musste bereits vierzehn Jahre später dem neuen Rathaus weichen. Bis 1912 befand sich deshalb die einzige Pankower Postadressein der Wollankstraße, danach wurde das Postamt II in der Berliner Straße 110 eröffnet.Doch die Einwohnerzahlen nahmen zu – in ganz Berlin und in Pankow sowieso. Die Deutsche Post veranlasste daher den Bau zentral gelegener Hauptpostämter, die technisch den Ansprüchen der modernen Telekommunikation genügen sollten – mit Rohrpostanlagen und Telefonzentralen. In Pankow erwarb die Deutsche Post dafür 1913 einen ehemaligen Pfarracker an der Berliner Straße 12. Doch der Erste Weltkrieg und die wirtschaftlich ungünstigen Bedingungen der Nachkriegszeit machten einen direkten Baubeginn unmöglich. Das Gelände wurde vorerst als Familiengärten an Beamte der Post verpachtet.Mit dem Bau wurde erst 1919 begonnen, fertiggestellt wurde das Postamt 1923 – alle früheren Einrichtungen wurden zu diesem Zeitpunkt geschlossen. Ob der Architekt des neuen Postgebäudes tatsächlich der Pankower Maurermeister Carl Schmidt war, lässt sich zwar nicht belegen, doch Ortschronisten gehen davon aus. Es handelt sich bei dem Bau um einen viergeschossigen massiven Putzbau in grauen und rötlichen Tönen. Er steht auf einem T-förmigen Grundriss, dessen Eingangsportal von Säulen und dem gelben Schriftzug „Postamt“ markiert wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. In den fünfziger Jahren wurden die bisherigen technischen Einrichtungen wie Fernschreiber, Rohrpost und Werkstattmaschinen als funktionstüchtig übernommen; die Schalterräume, Hygieneeinrichtungen und Arbeitsräume wurden schrittweise modernisiert. In der Berliner Straße 12 befand sich außerdem der zentrale Fuhrpark aller Pankower Filialen mit eigener Werkstatt.Nachdem das Postamt Anfang der neunziger Jahre an die Deutsche Bundespost übergegangen war, wurde es denkmalgerecht saniert und seine Fassade erneuert. Vorerst blieb es in Benutzung, doch am 1. Mai 2016 wurde das Postamt geschlossen. Das weiterhin denkmalgeschützte Gebäude beherbergt heute eine bilinguale Gemeinschaftsschule mit Kindergarten, der ehemalige Telefonvermittlungssaal wird als Aula und Turnhalle benutzt. (JM)

Quelle v.a. und der verwendeten Fotos: Kerstin Lindstädt (Bezirksamt Pankow von Berlin): Berlin-Pankow. Aus der Bau- und Ortsgeschichte. 2010, S. 174.

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