…. vor hundert Jahren: Haustaufe

Das neue Jahr begann in unserer Gemeinde hoffnungsvoll. Freudige Ereignisse wie Trauungen und Taufen nahmen in den ersten drei Monaten im Vergleich zu den letzten beiden Jahren wieder zu und zeigten, dass Familien wieder zusammenkamen und feierten. So trauten die Pfarrer Jungklaus und Simon insgesamt 23 Paare in der Hoffnungskirche.

Die Väter kehrten nach und nach aus dem Krieg zurück. Endlich war es wieder möglich, ein geregeltes Familienleben zu führen und sich gemeinsam um die Kinder zu kümmern. Auch Taufen konnten nachgeholt werden. So die dreier Kinder aus der Kaiser-Friedrich-Straße 69, der heutigen Thulestraße, deren Vater Schmied war. Er ließ jedoch nicht nur seine drei ehelichen Kinder, die sechs und fünf Jahre sowie sieben Monate alt waren am 15. Februar von Pfarrer Simon taufen, sondern auch seine mittlerweile 26 Jahre alte uneheliche Tochter. Am diesem wolkenverhangenen Sonntag wurden ebenfalls die drei zehn, acht und sechs Jahre alten Kinder einer Familie aus der Kaiser-Friedrich-Straße 73 von Pfarrer Simon in der Hoffnungskirche getauft.

Eine besondere Taufe wurde am 29. Januar gefeiert. In der Berliner Straße 113 taufte Pfarrer Gustav Göhrke aus der Nikolaikirche ein vier Monate altes Mädchen. Das Ereignis fand nicht in der Kirche statt, sondern Zuhause. Warum die Familie eine Haustaufe für ihr Kind wünschte und diese nicht von den Pfarrern der Pankower Gemeinde durchgeführt worden war, ist nicht bekannt.

Eine Haustaufe war zu dieser Zeit in Pankow und Berlin selten und ungewöhnlich. Im späteren Gebiet der Hoffnungsgemeinde fand 1913 eine in der Binzstraße 2 statt, als der Bruder von Pfarrer Maresch seinen Sohn dort taufen ließ.

Der augenscheinlichste Grund für die geringe Anzahl der Haustaufen in den Städten war, dass nur wenige Haushalte über genügend Platz und einen geeigneten Raum wie eine Kapelle o.ä. verfügten. Von Seiten der Landeskirchen wurde darauf Wert gelegt, dass die Haustaufen in einem würdigen Rahmen stattfanden, eine Hinterhofwohnung reichte nicht aus.

Heute sind Haustaufen nur noch in begründeten Einzelfällen erlaubt. Bis in die 1950-er Jahre waren sie jedoch vor allem in den Bauernfamilien auf dem Lande noch verbreitet. (CB)