… vor hundert Jahren: Die NSDAP und ihr 25-Punkte Programm

Gestern, vor einhundert Jahren, am 24. Februar 1920 verkündete Adolf Hitler im Münchner Hofbräuhaus das sogenannte „25-Punkte-Programm“ seiner Partei.

Die Partei war erst gut ein Jahr zuvor in München als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet worden. Nach jubelnden Beifall des von Hitler verkündeten Parteiprogramms wurde am Abend die Umbenennung der Partei in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) bekannt gegeben.

In dem zuvor verkündeten „25-Punkte-Programm“ wurde u.a. die Aufkündigung des Versailler Vertrages, der Zusammenschluss aller Deutschen zu einem Großdeutschen Reich, die Rückgabe der Kolonien, der Aufbau einer Diktatur, eine Pressezensur und verschiedene Maßnahmen, die dem Slogan „Gemeinnutz vor Eigennutz“ Rechnung tragen sollten, gefordert. Außerdem sollte die Wehrpflicht wieder eingeführt, den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und die Religionsfreiheit eingeschränkt werden.

Obwohl einige Forderungen im Laufe der Zeit verändert wurden oder ganz wegfielen, war mit diesem Parteiprogramm der Grundstein der späteren NS-Diktatur gelegt worden.

Zunächst stieß das in einem Münchner Gasthaus verkündete Programm auf wenig Interesse in der Politiklandschaft außerhalb der NSDAP und ihrer Gesinnungsgenossen. Doch das änderte sich rasch.

Aus den Forderungen einer bis dato kleinen und kaum bekannten Bayrischen Partei wurde eine politische Realität für ganz Deutschland mit verheerenden Folgen.

Auch in unserer Gemeinde hatten diese Grundsatzforderungen ab 1933 erhebliche Auswirkungen. Nicht nur der von den Pfarrern gewährte Schutz vor der Judenverfolgung war für sie und ihre Familien gefährlich, auch das massive Eingreifen in die Gemeindestruktur durch die NSDAP und ihrer Sympathisanten gefährdete in dieser Zeit das Gemeindeleben und eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern.

Die von der NSDAP unterstützte Bewegung der „Deutschen Christen“ gewann im Juli 1933 die Kirchenwahlen in Berlin. Sie erhielt 75% aller Stimmen in der Pankower Gemeinde und stellte damit die meisten Ältesten für die alte Pfarrkirche und die Hoffnungskirche, die damals noch zu einer Gemeinde gehörten. Mit dabei waren zwei der wichtigsten Berliner Funktionäre der „Deutschen Christen“: Dr. Reinhold Krause und Johannes Schmiedchen. Gemeinsam mit Ernst Flessa, dem Fraktionsführer der „Deutschen Christen“ in der Hoffnungskirche, waren sie nicht nur im Gemeindekirchenrat sehr aktiv sondern auch in den verschiedenen kirchlichen Gremien.

Um dem wirksam entgegen treten zu können, hatten sich die Pankower Pfarrer und eine Reihe von Gemeindemitgliedern vor der Wahl für eine gemeinsame Liste „Evangelium und Kirche“ ausgesprochen. Nach der Wahlniederlage waren sie  zunächst bereit, mit den „Deutschen Christen“ zusammenzuarbeiten.

Doch lange währte diese Bereitschaft weder in Pankow noch in anderen Gemeinden. Das Agieren der „Deutschen Christen“ nicht nur in den einzelnen Kirchgemeinden sondern auch auf der Reichsebene machte vielen Pfarrern und Kirchenmitgliedern eine Zusammenarbeit mit ihnen unmöglich. Schnell wurde klar, dass es einer gemeinsamen oppositionellen Bewegung bedurfte, um sich sinnvoll gegen die einschränkenden Maßnahmen der „Deutschen Christen“ und der NSDAP wehren zu können. Aus dem im September 1933 gegründeten Pfarrernotbund wurden im Jahr darauf die „Bekennenden Kirchen“ in den jeweiligen Gebieten der Landeskirchen aufgebaut.

Ca. 2000 Mitglieder zählte die „Bekennende Kirche“ allein in Pankow, alle fünf Pankower Pfarrer waren dort Mitglied. Vermutlich war unsere Pankower Gemeinde damit die zweitgrößte Bekenntnisgemeinde in Berlin-Brandenburg. (CB)