… vor hundert Jahren: 175 Mädchen und Jungen werden in der Hoffnungskirche konfirmiert

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(Quelle:Kirchenarchiv der Hoffnungsgemeinde Pankow)

Am 14.3.1917 und 15.3.1917 herrschte in vielen Familien der Hoffnungsgemeinde große Aufregung. Auch in diesem Frühjahr wurde in der Hoffnungskirche Konfirmation gefeiert.

Das Kirchenportal war weit geöffnet und feierlich zog eine große Schar festlich angezogener Jugendlicher vom Gemeindehaus in die gut gefüllte Hoffnungskirche ein. In Zweierreihen formiert, liefen sie durch den Mittelgang der Kirche bis zu ihren Plätzen. Die Jungen in ihren dunklen Anzügen gingen voran, ihnen folgten die Mädchen in Rock und Bluse. An diesem Mittwoch wurden 47 Mädchen und 34 Jungen von Pfarrer Simon konfirmiert.

Es war ein festlicher Gottesdienst mit Orgelmusik, den sie gemeinsam mit ihren Familien feierten. Während der Zeremonie knieten die Jugendlichen im Altarraum auf Kniebänken rund um den Altar, Jungen und Mädchen getrennt. Zuvor hatten sie sich im Konfirmandenunterricht, der auch getrennt durchgeführt worden war, auf dieses Ereignis vorbereitet.

Nach dem Ende des Gottesdienst, beim Auszug aus der Kirche, jubelten alle den Neukonfirmierten zu.

Einen Tag später durchschritten erneut viele gut gekleidete Jugendliche die weit geöffneten Kirchentüren. Angeführt von Pfarrer Jungklaus gingen sie in Doppelreihen vom Gemeindehaus hinüber zur Hoffnungskirche, um ihre Konfirmation in einem Festgottesdienst zu feiern. Für 44 Jungen und 50 Mädchen war auch dieser Donnerstag ein wichtiger Tag in ihrem Leben, den sie mit ihren Familien festlich begingen.

Insgesamt 175 Jugendliche, 78 Jungen und 97 Mädchen, wurden im März 1917 von beiden Pfarrern in der Hoffnungskirche konfirmiert. (CB)

 

…vor 100 Jahren: Die Tageszeitung berichtet über eine öffentlich gewordene Bündnisanfrage an Mexiko gegen die USA, in Berlin hält die Kälte und der Mangel an…

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Die Titelseite des Berliner Tageblatts vom 3. März 1917 mit dem Artikel „Das verratene Angebot an Mexiko“.

Wer an diesem 3. März vor 100 Jahren die Zeitung las, der wurde mit einer Information konfrontiert, die einen Kriegseintritt der USA als Gegner des Deutschen Reiches immer wahrscheinlicher machte. Die deutsche Presse nahm nämlich Berichte aus der amerikanischen Presse auf, in der berichtet worden war, dass ein geheimes Schreiben der Deutschen in die Hände des amerikanischen Präsidenten Wilson geraten ist. In diesem Schreiben wurde der deutsche Gesandte in Mexiko dazu aufgefordert, der mexikanischen Regierung ein Angebot zu machen. Für den Fall, dass die USA ihre Neutralität aufgeben und in den Krieg gegen das Deutsche Reich eintreten sollte, wurde Mexiko als Bündnispartner angefragt. Dafür wurde nicht nur finanzielle Unterstützung sondern auch eine neue Grenzziehung in Aussicht gestellt. Die Bundesstaaten Neu-Mexiko, Arizona und Texas sollte nach dem angestrebten Abkommen nach Friedensschluss an Mexiko fallen.

Bereits in mehreren Ländern berichtete die Presse über dieses im Vorfeld an die Amerikaner verratene Abkommen und es wurde gemutmaßt, dass nun ein Kriegseintritt der USA immer wahrscheinlicher sei. Tatsächlich erklärte die USA einen Monat später, im April 1917, Deutschland den Krieg.

In Berlin betrachtete die einfache Bevölkerung das mit Sorge, doch näher sind die alltäglichen Sorgen: neuer Schneefall an diesem Tag, zeigte, dass die seit zwei Monaten andauernde Kälteperiode immer noch nicht zu Ende ging. Seit dem 24. Februar waren in Berlin sämtliche Schulen wegen des Kohle- und Brennholz-Mangels geschlossen, auch der Eisenbahnverkehr wird aus demselben Grund weiter eingeschränkt, berichtet an diesem Tag das Berliner Tageblatt.  (GL)

Tuberkulose und andere Atemwegserkrankungen

Lungenentzündung und Tuberkulose waren sehr verbreitet und eine der häufigsten Todesursachen in der Hoffnungsgemeinde. In den ersten Monaten des Jahres 1917 starben daran 24 Gemeindemitglieder. Der Kriegswinter brachte eine immer enger werdende Versorgungslage und so erkrankten vor allem die Ärmeren, die in engen und dunklen Wohnungen wohnten und wenig zu essen hatten. Auch Kinder und Ältere waren häufig betroffen.

Es war allgemein bekannt, dass feuchte und dunkle Wohnungen und unzureichende Ernährung eine der Ursachen für die große Verbreitung von Tuberkulose waren. Darauf wiesen die Ärzte in den medizinischen Zeitschriften und auf den deutschen und internationalen Ärzte-Kongressen, wie dem Internationalen Tuberkulose-Congress, hin. Sie warnten vor schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen.

In unserem Gemeindegebiet berücksichtigte man dies beim Bau der neuen Häuser, mehrere Hinterhöfe gab es nicht mehr. Stattdessen wurden viele der neuen Wohnhäuser nach dem Ersten Weltkrieg mit genügend Platz und Licht, mit großen grünen Hinterhöfen und teilweise mit Gärten, statt engen Höfen, ausgestattet z.B. in der Lindenallee (später Elsa-Brändström-Straße) oder der Vinetastraße.  (CB)

Neujahr 1917

Wieder begann ein neues Jahr im Kriegszustand. Viele Männer lagen in kalten Schützengräben oder Lazaretten fern ihrer Familien und sehnten den Sieg oder Frieden herbei.

Hier, in Berlin-Pankow in der Hoffnungsgemeinde, wurde so gut es ging das gemeindliche Leben aufrecht erhalten. So wurden im Januar acht Kinder im Alter von 1-3 Jahren von den Pfarrern Jungklaus und Simon getauft. Sechs kirchliche Trauungen fanden in der Hoffnungskirche statt, vier der frisch getrauten Ehemänner waren Soldaten. Unter den Neuvermählten befanden sich auch zwei Paare, bei denen alle bereits schon einmal verheiratet waren und nun erneut getraut wurden. Sie hatten noch nicht das 30. Lebensjahr erreicht und vermutlich schon ihren ersten Ehepartner verloren. (CB)