…vor 100 Jahren: Die Tageszeitung berichtet über eine öffentlich gewordene Bündnisanfrage an Mexiko gegen die USA, in Berlin hält die Kälte und der Mangel an…

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Die Titelseite des Berliner Tageblatts vom 3. März 1917 mit dem Artikel „Das verratene Angebot an Mexiko“.

Wer an diesem 3. März vor 100 Jahren die Zeitung las, der wurde mit einer Information konfrontiert, die einen Kriegseintritt der USA als Gegner des Deutschen Reiches immer wahrscheinlicher machte. Die deutsche Presse nahm nämlich Berichte aus der amerikanischen Presse auf, in der berichtet worden war, dass ein geheimes Schreiben der Deutschen in die Hände des amerikanischen Präsidenten Wilson geraten ist. In diesem Schreiben wurde der deutsche Gesandte in Mexiko dazu aufgefordert, der mexikanischen Regierung ein Angebot zu machen. Für den Fall, dass die USA ihre Neutralität aufgeben und in den Krieg gegen das Deutsche Reich eintreten sollte, wurde Mexiko als Bündnispartner angefragt. Dafür wurde nicht nur finanzielle Unterstützung sondern auch eine neue Grenzziehung in Aussicht gestellt. Die Bundesstaaten Neu-Mexiko, Arizona und Texas sollte nach dem angestrebten Abkommen nach Friedensschluss an Mexiko fallen.

Bereits in mehreren Ländern berichtete die Presse über dieses im Vorfeld an die Amerikaner verratene Abkommen und es wurde gemutmaßt, dass nun ein Kriegseintritt der USA immer wahrscheinlicher sei. Tatsächlich erklärte die USA einen Monat später, im April 1917, Deutschland den Krieg.

In Berlin betrachtete die einfache Bevölkerung das mit Sorge, doch näher sind die alltäglichen Sorgen: neuer Schneefall an diesem Tag, zeigte, dass die seit zwei Monaten andauernde Kälteperiode immer noch nicht zu Ende ging. Seit dem 24. Februar waren in Berlin sämtliche Schulen wegen des Kohle- und Brennholz-Mangels geschlossen, auch der Eisenbahnverkehr wird aus demselben Grund weiter eingeschränkt, berichtet an diesem Tag das Berliner Tageblatt.  (GL)

Kohlrüben, Wruken, Bodenkohlrabi, Steckrüben statt Kartoffeln

Die Versorgungslage der Bevölkerung und der Soldaten war im Winter 1917 sehr angespannt. Grund dafür waren nicht nur der anhaltende Krieg und die damit verbundenen fehlenden Importe vieler Lebensmittel und Früchte aus anderen Ländern, sondern auch die sehr schlechte Kartoffelernte des letzten Jahres in Deutschland. Der bestehende Lebensmittelbedarf konnte nicht annähernd gedeckt werden.

Es musste Ersatz geschaffen werden, um eine Hungersnot zu verhindern. Diesen fand die Regierung in den Kohlrüben, die gut in den einheimischen Böden gediehen waren. Die Rüben konnten im Gegensatz zu den Kartoffeln nur bis Mitte März sinnvoll gelagert und verwertet werden, danach waren sie für den Verzehr ungeeignet.

Das Kriegsernährungsamt wies deshalb Berlin und anderen Städten im Februar 1917 statt der benötigten Kartoffeln Kohlrüben in doppelter Menge zu und rief die Bevölkerung zur strikten Sparsamkeit mit den Kartoffeln auf. Sie waren, so argumentierte das Amt, ab dem März eines der wenigen verbleibenden Nahrungsmittel bis zur neuen Frühkartoffelernte.

„Kohlrüben, Wruken, Bodenkohlrabi, Steckrüben statt Kartoffeln“ hieß es allerorts. In den Zeitschriften wurden unterschiedliche Rezepte zur schmackhaften Zubereitung der Rübe, die regional verschiedene Bezeichnungen wie Wruke, Steckrübe oder auch Bodenkohlrabi hatte, abgedruckt.  (CB)

Steckrübengerichte für 4 Personen

Braune Steckrüben

3-4 Pfd. Steckrüben, 3 Eßlöffel Zucker, 8 gestrichene Eßlöffel Mehl, Salz

Geschnittene Steckrüben in Salzwasser halb gar kochen und abgießen. Zur Soße Zucker und Mehl ohne Fett in eiserner Pfanne bräunen, mit Steckrübenwasser auffüllen und die Steckrübenstücke darin gar schmoren lassen.

Steckrübenfrikadellen

1 1/2 Pfd. Steckrüben putzen und im ganzen gar kochen, dann zermusen. 1 Pfd. gekochte geriebene oder zerquetschte Kartoffeln, Salz, Pfeffer, reichlich gehackte Zwiebeln gut miteinander mischen, zu Frikadellen formen, in Mehl wenden und in wenig Fett von beiden Seiten gut bräunen.