… vor hundert Jahren: Feldpost und Briefe aus der Heimat – Zensur und andere Vorschriften

Postkarten, Briefe und Päckchen boten im Ersten Weltkrieg nahezu die einzige Kontaktmöglichkeit zwischen Front und Heimat, riesige Massen davon wurden in den vier Kriegsjahren geschrieben, verschickt, befördert, empfangen und hoffnungsvoll oder entmutigt gelesen. Die Feldpost von der Front sollte die Angehörigen zu Hause unterrichten, während mit Briefen aus der Heimatfront moralische Bestärkung und materielle Unterstützung zu erfolgen hatte.

Allererstes Anliegen der Briefeschreiber war die schlichte Wissbegierde um ein Lebenszeichen. Familienangehörige und Freunde wollten über Gesundheitszustand, Aufenthaltsort, über Leben oder Tod informiert sein. Je länger eine briefliche Pause bestand, desto beunruhigter wurden die Angehörigen, deshalb hatten auch scheinbar banal wirkende kurze Nachrichten oder sogar vorgefertigte Floskeln auf Postkarten essentiellen Wert.

Im Zusammenhang mit einem Heimaturlaub oder einem Lazarettaufenthalt konnten Soldaten unverfälscht höchstpersönlich Informationen in beide Richtungen transferieren, wohingegen der Feldpostbrief, der durch mehrere Instanzen befördert wurde, diese Sicherheit nicht bot. Schon seit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Briefzensur eine wichtige Rolle beigemessen, wenn auch in den ersten zwei Kriegsjahren noch unsystematisch und willkürlich. Jeder Feldbrief musste zunächst dem Vorgesetzten vorgelegt werden und dieser entschied dann weiter. Die Korrespondenzen aus dem Feld sollten den Kriegsverlauf ausschließlich positiv darstellen.

Während von der Front negative Meldungen in die Heimat vermieden werden sollten, hatte die Post aus der Heimatfront wiederum die Soldaten nicht unnötig mit den „Alltagssorgen“ zu belasten, sondern eher zu bestärken. Neben der Entsendung von Feldpostpäckchen in Form von „Liebesgaben“, „Fresspaketen“, Zigaretten oder warmen Socken waren vor allem Fotografien der Ehefrau, Verlobten oder Geliebten und bestärkende Berichte gefragt wohingegen „Klagebriefe“ von Frauen und Müttern an ihre kämpfenden Ehemänner und Söhne ins Feld über eigene Nöte an der Heimatfront allgemein tabu und mit der Vaterlandsliebe nicht vereinbar waren.

Im letzten Kriegsjahr war die Zensur allgegenwärtig geworden, auch logistisch war der Transport von Sender zu Empfänger nicht immer leicht zu gewährleisten und es kam darauf an, überhaupt noch Kontakt zueinander zu halten. Um den reibungslosen Transport zu erreichen, wurden über Zeitungen Richtlinien verbreitet.

Das Niederbarnimer Kreisblatt, die regionale Ausgabe für Oranienburg, Hohenneuendorf und Umgebung, Bernau und Liebenwalde, zu dessen Reichweite durchaus auch Pankow gehörte, veröffentlichte in seiner Ausgabe Nr. 123 am Mittwoch, den 29. Mai 1918 in seinen Kreis-Nachrichten nützliche Ratschläge in Sachen „Briefe an Kriegsgefangene“. Darin hieß es: „Wer an deutsche Kriegsgefangene, die in neutralen Ländern interniert sind, schreibt, schreibe so kurz und so deutlich wie möglich. Briefe, die über vier gewöhnliche Oktav- oder zwei Quartseiten lang oder undeutlich geschrieben sind, erleiden beträchtliche Verzögerungen, oft von mehreren Monaten, und werden mitunter von der ausländischen Zensur, durch die sie gehen, als unzulässig beschlagnahmt.

War also der Brief nicht nur inhaltlich unpassend, sondern zu unübersichtlich oder zu lang, da viermal oder gar achtmal gefaltet, konnte dies für seine schnelle Beförderung hinderlich sein, in jedem Falle war die Kontrolle und Zensur der Bevölkerung spätestens in diesem letzten Kriegsjahr bewusst geworden. Rückschlüsse auf die abnehmende Kriegsbereitschaft und Kampfmoral in diesen letzten Kriegsmonaten spiegeln sich auch aus diesem Blickwinkel wider. (CW)

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… vor hundert Jahren: Der 1. Mai 1918 in Berlin – ein Kampftag der Arbeiter?

Kalt und regnerisch war es an diesem 1. Mai in Berlin. Unruhe und Unzufriedenheit lag über der Stadt. Die Menschen auf der Straße fürchteten sich vor weiteren Rationierungen, Preiserhöhungen und der steigenden Kriminalität während die Abgeordneten im Preußischen Abgeordnetenhaus heftig über eine Neuregelung des Wahlrechts debatierten. Zeitgleich beriet der Hanseverein in seiner Versammlung über die Neuordnung der Wirtschaft nach dem Krieg. Die Vertreter der Arbeiter- und Angestellten zahlreicher Reichsbehörden, des Reichstages und der Stadt Berlin sowie Vertreter gemeinnütziger Gesellschaften wiederum riefen an diesem Tag auf ihrem Kongreß alle Arbeiter und Angestellten auf, nach Beendigung des Krieges die Errichtung einer auf das Gemeinwohl ausgerichtete Übergangsgesellschaft zu unterstützen. Außerdem forderten sie mehr Lohn, ein neues Bodenrecht und die Förderung des Kleinwohnungsbaus. Der Wohnungsnotstand war ihnen ein besonderer Dorn im Auge.

Dabei schien für alle ein Sieg der Deutschen in nicht allzu weiter Ferne.

An diesem Mittwoch gab es in Berlin überall öffentliche politische Diskussionen, doch kam es auch zu Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen?

Nein. Die seit ca. 1890 üblichen Streiks, Kundgebungen, „Maispaziergänge“ oder „Maifeste“ auf denen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten gefordert wurden und die oft gegen den Widerstand der Arbeitgeber organisiert worden waren, gab es 1918 nicht. Mit Beginn des Krieges hatte man von Seiten der Gewerkschaft aus „nationaler Solidarität“ auf Aktionen an diesem Tag verzichtet.

Doch der Krieg zog sich Jahre hin und die Not unter Bevölkerung wurde immer größer. Gruppierungen wie der „Spartakusbund“ machten sich zum Sprachrohr der Unzufriedenen. Sie hatten in den letzten Jahren zu Streiks und Protesten aufgerufen. Im Januar/Februar 1918 kam es in Berlin zu einer großen Streikwelle der Arbeiter, die mit vehementer Polizeigewalt und zahlreichen Verhaftungen niedergeschlagen wurde. Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg u.a. Anführer der Bewegung saßen im Gefängnis und konnten keine weiteren Proteste organisieren. Wie der russische Botschafter in Deutschland erstaunt feststellte, herrschte große Ratlosigkeit unter den in Berlin lebenden Revolutionären.

Der 1. Mai 1918 ging daher friedlich und fast ohne öffentliche Proteste zu Ende. Zu Unmutsbekundungen kam es nur bei den Fahrgästen des öffentlichen Nahverkehrs. Die Fahrpreise in den Straßenbahnen und Stadtbahnen waren zum 1. Mai erhöht worden. Schaffner und Begleitpersonal sahen sich immer wieder Beschimpfungen und Protesten ausgesetzt.

In der Hoffnungskirche hingegen ging es fröhlich zu. Der 24-jährige Jungeselle Fritz Georg Krebs und seine noch sehr junge Verlobte Emma Anna Frida Ludwig wurden an diesem Tag von Pfarrer Simon getraut. Fünf weitere Hochzeiten wurden im Mai und Juni in der Hoffnungskirche gefeiert. (CB)

…vor 100 Jahren: der Amtsschimmel reitet – Lustbarkeitssteuer in Kriegszeiten

Auch in Kriegszeiten fand in der Hoffnungskirchengemeinde ein reges Gemeindeleben mit Theateraufführungen, Konzerten oder Vortragsabenden statt. Meist waren Kinder und Jugendliche an den Aktivitäten beteiligt und sammelten Spenden, indem sie an Elternabenden kleine Theaterstücke aufführten und dafür Eintrittskarten verkauften. Mit viel Liebe wurden die Aufführungen vorbereitet: Theaterstücke wurden ausgewählt, Kostüme und Requisiten gemietet, die Stücke wurden sorgfältig einstudiert und geprobt.

Oft fanden die Veranstaltungen nicht in der Kirche, sondern in anderen Räumlichkeiten statt, zum Beispiel im Restaurant „Zum Kurfürsten“ in der Berliner Straße 102. Dort gab es einen großen und prunkvollen Festsaal.

Diese Abende mussten im Vorfeld bei den Behörden angemeldet und polizeilich genehmigt werden. Manchmal wurde extra zu einem solchen Anlass die Polizeistunde verlängert, zum Beispiel für den Weihnachts-Elternabend des Evangelischen Vereins junger Männer Pankow-Hoffnung, für den die Polizeistunde „für diesen Abend bis 11 1/2 Uhr abends verlängert wurde“. Die Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben und „des zum Besten der Armenpflege der Kirchengemeinde ‚Hoffnungskirche‘ abzuführenden Betrages“ musste zeitnah beim Polizei-Kommissariat vorgelegt werden.

Auch Lustbarkeitssteuer wurde auf solche Veranstaltungen erhoben. Noch heute wird diese Art von Steuer unter dem Namen Vergnügungssteuer erhoben – vor allem auf Eintrittsgelder für Veranstaltungen (Kartensteuer), Spielautomaten (Spielgerätesteuer) und auch auf sexuelle Dienstleistungen (Prostitutionssteuer).

Da allerdings ein solcher Elternabend eine kleine Veranstaltung war und die Einnahmen für einen guten Zweck verwendet werden sollten, befreite der Gemeinde-Vorstand Pankow die Elternabende des Jugendvereins auf Antrag von Pfarrer Jungklaus in Zukunft von der Lustbarkeitssteuer. (GL)

 

… vor hundert Jahren: Munitionsschutt des Ersten Weltkriegs in Pankow

Berlin war im Ersten Weltkrieg wichtiger Industriestandort und aktiver Rüstungslieferant, darunter waren bedeutende Betriebe wie die „Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken“ in Moabit und Wittenau, A. Borsig in Berlin-Tegel, die „Berliner Maschinenbau AG“, die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft“ Fabriken Henningsdorf, die „Argus-Motorengesellschaft“ in Berlin-Reinickendorf, die „Luft-Verkehrs-Gesellschaft“ in Berlin-Johannisthal und die „Daimler Motorengesellschaft“, Zweigniederlassung Berlin-Marienfelde.

In Süd-Pankow befand sich keine Munitionsfabrik jedoch hatten die Bewohner vor ihrer Haustür, nahe der Hoffnungskirche, einen Schuttplatz, auf dem Fabrikationsabfall von Munitionsbetrieben abgeladen wurde. Sieghild Jungklaus, 1941-1975 Pfarrerin der Hoffnungskirche und Tochter des frühen und langjährigen Pfarrers Rudolf Jungklaus kannte das noch unbebaute Areal und Umfeld der Hoffnungskirche aus ihren Kindheitsjahren. 1963 verfasste sie, anlässlich des 50jähigen Jubiläums der Hoffnungskirche, einen detaillierten Rückblick, in dem sie schilderte: „Das Gebiet zwischen Binzstraße und Lindenpromenade [heutige Elsa-Brändström-Straße – C.W.] wurde zur Schutthalde für die Munitionsfabriken. Erst nach dem 1. Kriege entstand dort Laubengelände.“ Von welchen Fabriken die Abfälle stammten und welche Art von Schutt es sich handelte ist nicht erwähnt, jedoch fanden die nachfolgenden Schrebergärtner sicher noch Reste der Rückstände aus dieser Zeit.

Als im Januar 1918 das vierte und letzte Kriegsjahres anbrach, war als Folge der jahrelangen Lebensmittelunterversorgung, schwerster Arbeitsbelastungen und ausbleibender Erfolge an der Kriegsfront unter den Berlinern, wie bei großen Teilen der Zivilbevölkerung des ganzen Landes, eine tiefe Erschöpfung gegenwärtig und die Kriegsmoral zunehmend gesunken, ein günstiger Zeitpunkt für beginnende größere Proteste.

Ende Januar rief der Spartukusbund zu Streiks auf, die sich erstmals zu landesweiten politischen Massenstreiks, besonders in den Großstädten, ausweiten sollten. Die Vossische Zeitung und das Berliner Tageblatt berichteten tagtäglich über die Ausstandsbewegungen und verzeichneten in Berlin Zahlen bis zu 400.000 Demonstranten, die ersten waren Arbeiter der Rüstungs- und Munitionsfabriken. Die Regierung und das Militär befürchteten einen Aufstand in der Hauptstadt und verhängten daraufhin am 31. Januar 1918 den verschärften Belagerungszustand, woraufhin die Demonstrationen und Kundgebungen gewaltsam aufgelöst wurden, dabei gab es Tote und Verletzte. Spartakistischer Streikführer und viele Arbeiter wurden inhaftiert. Zehn Monate vor der Novemberrevolution saß das revolutionäre Potential bereits in den Startlöchern. (CW)

Rückblick auf das Jahr 1917 in den Kirchenbüchern: Drillingsgeburt, Selbstmorde und Tuberkulose-Opfer

Auch das Jahr 1917 brachte den Menschen in der Hoffnungskirchengemeinde Freud und Leid: Immerhin 226 Kinder wurden getauft – die Jungen waren dabei in der Minderheit: nur 102 Jungen, aber 124 Mädchen sind von ihren Eltern zum Taufstein getragen worden. Die meisten Kinder waren noch im Säuglingsalter. Zwei der Täuflinge mussten jedoch bereits kurz nach ihrer Taufe gestattet werden. Dafür konnten sich mehrere Eltern über Mehrlingsgeburten freuen: zweimal wurden von den Pfarrer der Hoffnungskirche Zwillinge getauft, einmal sogar Drillinge – zu dieser Zeit mit Sicherheit eine Seltenheit.

Die Kindersterblichkeit war in dieser Zeit relativ hoch: unter den 156 Gemeindegliedern, die 1917  bestattet wurden, waren mindestens 16 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Tuberkulose (oder auch: Schwindsucht) forderte gerade unter den jungen Menschen viele Opfer. Mindestens 19 Gemeindeglieder starben 1917 an dieser Krankheit, die meisten im jungen Alten, zwischen 3 und 40 Jahren. Das sind deutlich mehr als 10 % aller Todesfälle. Auch mindestens vier Fälle von Selbstmord wurden in diesem Jahr in den Kirchenbüchern aufgeführt – der tragischste Fall wohl der des erst 14-jährigen Mittelschülers Werner G., einziges Kind seiner Eltern, der sich am 23. November 1917 erschossen hat.

Doch auch zu feiern gab es viel: immerhin 313 Jugendliche wurden im Jahr 1917 konfirmiert. 43 Paare gaben sich in der Hoffnungskirche das Ja-Wort. (GL)

… vor hundert Jahren: Weihnachtspäckchen an die Front

Seit September wurde in allen karitativen Vereinen und Einrichtungen für das alljährliche Versenden von Weihnachtspäckchen an die Front und in die Lazarette geworben. Mit dem Herannahen der Weihnachtszeit wurden die Bitten dringlicher. Allen war klar: Viele litten selbst Not, für die meisten war es schwer, Päckchen zu packen.

In den Geschäften gab es fast nichts mehr zu kaufen. Lebensmittel, Bekleidung u.a. waren rationiert. Die Spendenaufrufe waren deshalb oft mit Ratschlägen und Tipps für selbstgebastelte Geschenke versehen. So wurden Bastelanleitungen für selbstgefertigte Gesellschaftsspiele herausgegeben. Spiele erfreuten sich sowohl an der Front als auch in den Lazaretten großer Beliebtheit. Es gab einen großen Bedarf an solchen Dingen. Eines dieser selbstgemachten Spiele hieß „Mönchspiel“. Das Spielprinzip glich dem des heutigen „Solitaire“.

Ebenso wurden kleine nützliche Dinge, wie Zigarrentaschen aus Bast oder andere kleine Behälter, die man selbst basteln konnte, als Gaben empfohlen. Die Frauen wurden außerdem dazu ermuntert, sich von eigenen Büchern, Wäschestücken wie Handtüchern und Taschentüchern, Besteck oder kleinen Musikinstrumenten zu trennen und den Päckchen beizufügen.

Nicht nur die Soldaten an der Front und in den Lazaretten sondern auch die Kriegsgefangenen, die in ganz Europa und teilweise in Asien in Lagern ums Überleben kämpften, brauchten gerade zu Weihnachten Unterstützung. Dank des Roten Kreuzes war es für viele Familien möglich ihren Angehörigen in den Gefangenenlagern Briefe, Postkarten, Pakete und Geld zu schicken. Ein über die Kriegsjahre gut ausgebautes Informations-, Kontakt-, und Logistiknetzwerk zwischen den nationalen Rotkreuzorganisationen und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes konnte diese dringend benötigte Hilfe anbieten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes bekam dafür 1917 den Friedensnobelpreis. Es war die einzige Organisation, die während des Ersten Weltkrieges diesen Preis erhielt.

In der Hoffnungsgemeinde wurden viele Weihnachtspakete liebevoll zusammengestellt und an die Soldaten geschickt. Sieghild Jungklaus erinnert sich später: „Ich entsinne mich der Flut von Päckchen, die in meinem Elternhaus z.B. vor Weihnachten gepackt wurden und mit der Feldpost abgingen …“ (CB)

… vor hundert Jahren: Jugendgottesdienst zum 400- jährigen Reformationsjubiläum

Eine zentrale Jubiläumsfeier zur Erinnerung an die 95 Thesen Martin Luthers und der daraufhin einsetzenden Reformationsbewegung vor 400 Jahren, gab es es weder in Deutschland, noch in Berlin.

Die Deutsche Evangelische Kirchenkonferenz hatte sich bereits im Juni 1917 gegen eine Zentralfeier in Wittenberg am Reformationstag aufgrund des andauernden Krieges entschieden.

Der Kaiser ließ über die Presse mitteilen, dass es entgegen vorheriger Planungen keinen zentralen Reformationsgottesdienst in Berlin geben würde. Er verwies auf die angespannte politische Situation und die militärischen Niederlagen der deutschen Armee und ihrer Verbündeteten in den letzten Monaten. Gleichzeitig versprach er dies in einem besonders feierlichen Rahmen nachzuholen, wenn der Krieg gewonnen wäre. Lange, so war seine Hoffnung, würde es nicht mehr dauern. Die preußischen Kirchengemeinden forderte er unabhänig davon auf, das 400- jährige Jubiläum der Reformation festlich zu begehen.

Einen Feiertag schenkte der protestantische Kaiser seinen Untertanen nicht. Lediglich den evangelischen Beamten und Angestellten der Verwaltung, die einen Gottesdienst am 31.10.1917 besuchen wollten, wurden laut Runderlass des Ministers eine Freistellung von der Arbeit für diese Zeit bei vollem Lohnausgleich gewährt.

Einige der großen Kirchen Berlins, wie z.B. der Dom oder die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, luden bereits vor dem eigentlichen Reformationstag zu Festgottesdiensten ein. Die meisten anderen Berliner Gemeinden, auch unsere, feierten am 31.10.1917 mit einem besonderen Gottesdienst den Reformationstag.

Wie wichtig das Reformationsjubiläum für die Pankower Gemeinde trotz oder gerade in den Kriegszeiten war, zeigen die verschiedenen Aktivitäten der Gemeindemitglieder. So gab es nicht nur einen Jubiläumsgottesdienst, sondern auch einen Elternabend des Jugendgottesdienstes der Hoffnungskirche, bei dem Martin Luther das Thema war. Er fand in den Abendstunden des 17.11.1917 im Restaurant „Kurfürst“ in der Berliner Straße statt. Neben einem Vortrag über den Reformator und einem Reigen gab es ein kleines Theaterstück, das von den Kindern der Gemeinde aufgeführt wurde. Es nannte sich „Luther als Kurrendeschüler“. (CB)