… vor hundert Jahren: Weihnachtspäckchen an die Front

Seit September wurde in allen karitativen Vereinen und Einrichtungen für das alljährliche Versenden von Weihnachtspäckchen an die Front und in die Lazarette geworben. Mit dem Herannahen der Weihnachtszeit wurden die Bitten dringlicher. Allen war klar: Viele litten selbst Not, für die meisten war es schwer, Päckchen zu packen.

In den Geschäften gab es fast nichts mehr zu kaufen. Lebensmittel, Bekleidung u.a. waren rationiert. Die Spendenaufrufe waren deshalb oft mit Ratschlägen und Tipps für selbstgebastelte Geschenke versehen. So wurden Bastelanleitungen für selbstgefertigte Gesellschaftsspiele herausgegeben. Spiele erfreuten sich sowohl an der Front als auch in den Lazaretten großer Beliebtheit. Es gab einen großen Bedarf an solchen Dingen. Eines dieser selbstgemachten Spiele hieß „Mönchspiel“. Das Spielprinzip glich dem des heutigen „Solitaire“.

Ebenso wurden kleine nützliche Dinge, wie Zigarrentaschen aus Bast oder andere kleine Behälter, die man selbst basteln konnte, als Gaben empfohlen. Die Frauen wurden außerdem dazu ermuntert, sich von eigenen Büchern, Wäschestücken wie Handtüchern und Taschentüchern, Besteck oder kleinen Musikinstrumenten zu trennen und den Päckchen beizufügen.

Nicht nur die Soldaten an der Front und in den Lazaretten sondern auch die Kriegsgefangenen, die in ganz Europa und teilweise in Asien in Lagern ums Überleben kämpften, brauchten gerade zu Weihnachten Unterstützung. Dank des Roten Kreuzes war es für viele Familien möglich ihren Angehörigen in den Gefangenenlagern Briefe, Postkarten, Pakete und Geld zu schicken. Ein über die Kriegsjahre gut ausgebautes Informations-, Kontakt-, und Logistiknetzwerk zwischen den nationalen Rotkreuzorganisationen und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes konnte diese dringend benötigte Hilfe anbieten. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes bekam dafür 1917 den Friedensnobelpreis. Es war die einzige Organisation, die während des Ersten Weltkrieges diesen Preis erhielt.

In der Hoffnungsgemeinde wurden viele Weihnachtspakete liebevoll zusammengestellt und an die Soldaten geschickt. Sieghild Jungklaus erinnert sich später: „Ich entsinne mich der Flut von Päckchen, die in meinem Elternhaus z.B. vor Weihnachten gepackt wurden und mit der Feldpost abgingen …“ (CB)

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