…vor 100 Jahren: Zuwachs in der Gemeinde – 8 Taufen, alles Mädchen

Auch wenn die Zahl der Taufen im Verlauf des Krieges merklich zurückging, wurden auch in dieser Zeit Kinder geboren und getauft. Im Januar 1917 waren dies 8 Säuglinge und Kleinkinder. Erstaunlicherweise wurden in diesem Monat in der Pankower Hoffnungskirche ausschließlich Mädchen getauft – das jüngste gerade 4 Wochen alt, das älteste 2 1/2 Jahre.

Auch sonst hatten die Täuflinge einiges gemeinsam: sie wurden alle ehelich geboren und hatten jeweils zwei evangelische Elternteile. Die Hälfte, also vier der Tauffamilien, wohnten in der Maximilianstraße, zwei weitere in der damaligen Kaiser-Friedrich-Straße (heute: Thulestraße). Ein beliebter Vorname war damals offensichtlich „Gertrud“, den drei der Mädchen trugen, gefolgt von Anna und Johanna, die jeweils zweimal vergeben wurden.

Die Väter hatten recht unterschiedliche Berufe: es gab zwei Schlosser, einen Bürobeamten, einen Schachtmeister, einen Arbeiter, einen Schiffbau-Ingenieur, einen Bäcker und einen Schirmmacher. Wie viele dieser Männer zu der Zeit als Soldaten im Krieg waren, ist den Kirchenbüchern nicht zu entnehmen. (GL)

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…vor 83 Jahren – Gedenken anlässlich des Holocaust-Gedenktages

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Auszug aus dem Kirchenbuch der Hoffnungskirchengemeinde mit dem Eintrag „Meseritz“

Der heutige Eintrag beschäftigt sich nicht mit der Zeit vor 100 Jahren, sondern anlässlich des heutigen Holocaust-Gedenktages, der in diesem Jahr besonders an die Opfer der NS-Euthanasie erinnert, mit genau so einem Fall, der auch in den Kirchenbüchern der Hoffnungskirchengemeinde zu entdecken ist. Am 11.07.1944 wurde von Pfarrer Jungklaus die aus Spandau stammende Hedwig M. bestattet. Als Todesursache ist im Kirchenbuch „nervenkrank“ vermerkt. Verräterisch ist der standesamtliche Eintrag „Meseritz“. Das war das hauseigene Standesamt der „Pflege- und Heilanstalt Meseritz-Obrawalde“. Dort wurden ab 1942 systematisch Patienten meist durch Verabreichung von Gift ermordet. Hedwig M. war 39 Jahre alt, als sie starb, sie hinterließ einen Sohn, eine Mutter, eine Schwester und sechs Brüder. Mehr ist über sie nicht bekannt… (GL)

 

 

Tuberkulose und andere Atemwegserkrankungen

Lungenentzündung und Tuberkulose waren sehr verbreitet und eine der häufigsten Todesursachen in der Hoffnungsgemeinde. In den ersten Monaten des Jahres 1917 starben daran 24 Gemeindemitglieder. Der Kriegswinter brachte eine immer enger werdende Versorgungslage und so erkrankten vor allem die Ärmeren, die in engen und dunklen Wohnungen wohnten und wenig zu essen hatten. Auch Kinder und Ältere waren häufig betroffen.

Es war allgemein bekannt, dass feuchte und dunkle Wohnungen und unzureichende Ernährung eine der Ursachen für die große Verbreitung von Tuberkulose waren. Darauf wiesen die Ärzte in den medizinischen Zeitschriften und auf den deutschen und internationalen Ärzte-Kongressen, wie dem Internationalen Tuberkulose-Congress, hin. Sie warnten vor schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen.

In unserem Gemeindegebiet berücksichtigte man dies beim Bau der neuen Häuser, mehrere Hinterhöfe gab es nicht mehr. Stattdessen wurden viele der neuen Wohnhäuser nach dem Ersten Weltkrieg mit genügend Platz und Licht, mit großen grünen Hinterhöfen und teilweise mit Gärten, statt engen Höfen, ausgestattet z.B. in der Lindenallee (später Elsa-Brändström-Straße) oder der Vinetastraße.  (CB)

Neujahr 1917

Wieder begann ein neues Jahr im Kriegszustand. Viele Männer lagen in kalten Schützengräben oder Lazaretten fern ihrer Familien und sehnten den Sieg oder Frieden herbei.

Hier, in Berlin-Pankow in der Hoffnungsgemeinde, wurde so gut es ging das gemeindliche Leben aufrecht erhalten. So wurden im Januar acht Kinder im Alter von 1-3 Jahren von den Pfarrern Jungklaus und Simon getauft. Sechs kirchliche Trauungen fanden in der Hoffnungskirche statt, vier der frisch getrauten Ehemänner waren Soldaten. Unter den Neuvermählten befanden sich auch zwei Paare, bei denen alle bereits schon einmal verheiratet waren und nun erneut getraut wurden. Sie hatten noch nicht das 30. Lebensjahr erreicht und vermutlich schon ihren ersten Ehepartner verloren. (CB)